Montag, 24. April 2017

Manches wird auch besser im Hause Weltbild


Mit dem Abschluss der neuen Betriebsvereinbarung zur Gestaltung von Arbeitsunterbrechungen bei Bildschirmarbeitsplätzen ist es dem Betriebsrat gelungen die Bedingungen für die Beschäftigten deutlich zu verbessern.

Die alte Regelung war ein Fossil aus den Zeiten der seligen Verlagsgruppe Weltbild, die für den damaligen Kundenservice im Customer Relation Center  Bildschirmpausen festlegte. Die damals ausgehandelte BV ermöglichte es den Mitarbeitern bei der Bearbeitung der Kundenanliegen am Computer, alle 60 Minuten eine bezahlte Pause von 5 Minuten zu machen, um den Augen eine notwendige Erholung vom permanenten Blick auf den Bildschirm zu gewähren. Diese galt für die verbliebenen Rest-Kollegen des CCC unverändert weiter. Als die Geschäftsführung das bemerkt, erfolgte eine sofortige Aufkündigung der Vereinbarung. Der Betriebsrat legte dagegen umgehend Widerspruch ein und nutzte die Gelegenheit, um über eine gerechte Neuregelung für alle Kollegen zu verhandeln. So gelang es nach längerem Hin und Her die alte Betriebsvereinbarung neu zu formulieren und den Geltungsbereich auf das ganze Unternehmen auszudehnen.

Ziel ist es, auf der Basis der Arbeitsstättenverordnung § 3 Abs. 1, Anhang Ziff. 6 "Maßnahmen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen", die Gestaltung von Unterbrechungen der Arbeit an Bildschirmgeräten zu regeln, um die gesundheitlichen Belastungen und Beeinträchtigungen, die durch eine ununterbrochenen oder überwiegende Tätigkeit an Bildschirmgeräten entstehen können, auszuschließen, entgegenzuwirken oder soweit wie möglich zu verringern.

Im Detail werden folgende Punkte in dem Regelwerk festgeschrieben :

1. Geltungsbereich
  • die BV gilt für alle Mitarbeiter mit Ausnahme der leitenden Angestellten
  • alle Arbeitsplätze der Firma gelten als Bildschirmarbeitsplätze, wodurch eine langwierige Diskussion oder Definition zu jedem einzelnen Tätigkeitsprofil  überflüssig wird
2.  Arbeitsorganisation
  • zur Verminderung der gesundheitlichen Beeinträchtigungen, müssen die Abläufe an Bildschirmarbeitsplätzen so gestaltet werden, dass eine regelmäßige Unterbrechung des Sichtkontakts zum Bildschirm gewährleistet ist
3. Art der Unterbrechung
  • in Abstimmung mit dem Vorgesetzten erhält der Mitarbeiter eine hohe Präferenz bei der Wahlmöglichkeit zur der Gestattung dieser Pausen, wie z.B.:
    • "dynamischen Sitzen" 
    • Erledigung "anderer" Arbeiten
    • Gang in die Kaffeeküche oder Holen von Getränken
    • Botengänge
    • Meetings oder Besprechungen
    • Austausch mit Kollegen
    • Tätigkeiten ohne Bezug zum PC
    • Arbeitsunterbrechungen an den frischen Luft
    • etc.
 Jeder Mitarbeiter hat nun das verbriefte Recht seine Arbeit regelmäßig zu unterbrechen, um den Augen eine Pause zur Regeneration zu gönnen, was sich auch auf die generelle Konzentrationsfähigkeit auswirkt. Das heißt am Vormittag, bei vier Arbeitsstunden bis zum Mittag, drei kurze Unterbrechungen zu je 5 Minuten jede Stunde oder eine längere von 15 Minuten nach zwei Stunden. Dasselbe gilt für die vier Stunden am Nachmittag. Dies entspricht bei einer Vollzeitstelle einer halben Stunde täglich.

                               5 Min.     5 Min.     5 Min.                                      5 Min.     5 Min.     5 Min.
                                         
Arbeitszeit [h]:  -- 1 -- + -- 1 -- + -- 1 -- + -- 1 --Mittagspause -- 1 -- + -- 1 -- + -- 1 -- + -- 1 -- 
 
                                                          15 Min.                                                                 15 Min.

Der "Verlust" an Arbeitszeit wird erfahrungsgemäß durch eine höhere Effektivität nach einer Erholungspause mehr als wett gemacht. So ergibt sich für alle Beteiligten eine merkliche Verbesserung. Die Kollegen erledigen ihre Arbeit wesentlich entspannter und sind am Ende des Tages weniger gestresst. Die dadurch höhere Leistungsfähigkeit schlägt sich direkt in der Qualität der Arbeitsergebnisse und dem geleisteten Pensum nieder - eine echte Win-win-Situation.

So zahlt es sich manchmal wirklich aus, die Schraube nicht stetig anzuziehen und den Druck zu erhöhen, sondern im fairen Miteinander Lösungen zu erarbeiten, die beiden Seiten von Nutzen sind.





Freitag, 21. April 2017

Perspektive Armut ?

Armut im Alter - Die Zahl der als arm geltenden Menschen ist seit 2005 um knapp 50 Prozent gestiegen, vor allem Rentner/innen sind betroffen. Und die jungen Leute von heute werden betroffen sein. Die gesetzliche Rente muss wieder gestärkt werden

Von Heike Langenberg 


Was bedeutet eine niedrige Rente für ihre Bezieher/innen? Sie können nicht mehr am Alltag teilhaben. "Soziale Isolation, durch Einkommensarmut erzeugter Stress, mangelndes Selbstwertgefühl", benennt Joachim Rock, Abteilungsleiter für Sozial- und Europapolitik des Paritätischen Gesamtverbandes die Faktoren, die sich dann auch negativ auf die Gesundheit der Rentner/innen auswirken können. "Ältere Menschen, die arm sind, erkranken häufig deutlich schwerer und leben deutlich kürzer als ältere Menschen mit gesichertem Einkommen", ist sein Fazit in einem Kapitel zum Thema "Armut im Alter" im jüngst erschienenen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrts­verbandes. Hinzu komme, dass sich Rentner/innen mit nur geringen Bezügen oft auch Zusatzausgaben für Medikamente und fällige Zuzahlungen kaum noch leisten können.

Auch die Ergebnisse einer Studie, die das Allensbach-Institut für Demoskopie vor Kurzen für die Generali-Versicherung gemacht hat, gehen in diese Richtung. Nur 28 Prozent der über 65-Jährigen mit niedrigen Alterseinkommen sind mit ihrer Gesundheit zufrieden, bei denen aus höheren sozialen Schichten sind es fast doppelt so viele. Sie haben auch mehr Geld im Alltag zur Verfügung. Bei denjenigen, denen das Geld fehlt, wirken sich auch die steigenden Miet- und Nebenkosten fatal aus. Oft müssen sie aus ihrem gewohnten Umfeld wegziehen, was ihre Teilhabemöglichkeiten noch weiter einschränkt. Hinzu kommt, dass viele Ältere aus Scham und Unwissenheit ihre Ansprüche gar nicht geltend machen. Auf rund 40 Prozent schätzt Joachim Rock diese Zahl. "Das zeigt: ,Missbrauch' von Sozialleistungen ist kein Problem, viel eher die mangelnde Beanspruchung von Hilfen", sagt der Wissenschaftler.
 
Um auch im Alter über eine Rente verfügen zu können, die ein Leben in Würde ermöglicht, haben der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften eine Rentenkampagne gestartet. Dass die dringend notwendig ist, zeigen die Zahlen aus dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Denn hier fällt die Gruppe der Rentnerinnen und Rentner besonders auf. Nicht nur, dass bei ihnen die Armutsquote um 0,2 Prozentpunkte höher liegt als bei der Gesamtbevölkerung, die Zahl der als arm geltenden Menschen ist von 2005 bis 2015 um knapp 50 Prozent gestiegen.

Auch dass sich die Zahl derjenigen, die Grundsicherung ergänzend zur Regelaltersrente beziehen, von 2003 an bis 2015 verdoppelt hat, spricht für sich. "Altersarmut droht künftig immer mehr älteren Menschen", schreibt Rock in seiner Analyse. Denn politisch gewollt sinkt das Rentenniveau in Deutschland immer weiter ab. Nur noch 43 Prozent sollen es im Jahr 2030 sein, aktuell sind es noch knapp 48 Prozent.

Brauchte man im Jahr 2000 insgesamt 24,3 Entgeltpunkte für eine Rente auf Grundsicherungsniveau, sind es heute schon 30,3 Punkte. Tendenz steigend. Das bedeutet, dass man die entsprechende Zahl an Jahren immer einen Durchschnittsverdienst gehabt haben muss. Doch das wird in Zeiten zunehmender prekärer Arbeit, unfreiwilliger Teilzeitarbeit, von Befristungen, schlecht entlohnter Arbeit und damit auch immer wieder vorkommenden Unterbrechungen im Arbeitsleben immer schwerer zu erreichen sein.

Die Politik spielt das Problem herunter


Hier kann nur ein System helfen, das dazu beiträgt, dass gerade diejenigen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, auch eine Rente erhalten, die zum Leben reicht. Auch wenn die Politik heute in weiten Teilen noch versucht, das Problem herunterzuspielen: Altersarmut wird in Zukunft immer mehr Menschen betreffen. Die gesetzliche Rente muss daher wieder gestärkt werden - dafür machen der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften sich stark.

aus ver.di publik 2'2017.

weitere Informationen im Renten-Spezial R1-R5

Dienstag, 18. April 2017

Superwahljahr 2017 - Chance für eine andere Politik



Innerhalb weniger Wochen aus dem Umfrage-Tief ins Hoch der Wähler-Gunst?
Was Anfang des Jahres in Polit-Kreisen als Utopie belächelt wurde, scheint der SPD bis jetzt mit ihrem Wahlkampf im Superwahljahr gelungen zu sein.


Wie konnte die SPD dies schaffen?


Nach den enttäuschenden Wahlergebnissen der letzten Jahre wusste man in der Sozialdemokratischen Partei, dass ein Kurswechsel erfolgen musste.
Neben den vielen politischen Themen, wie die die Merkel´sche Flüchtlingspolitik, das Verhältnis Deutschlands zu einem Trump regierten Amerika oder Erdogans Führungsziele, scheint eine Frage die große Mehrheit der Menschen in diesem Land umzutreiben - die Frage nach sozialer Gerechtigkeit.

Genau diese Frage rückt der SPD Kanzlerkandidat und langjährige EU-Parlamentspräsident, Martin Schulz, in den Fokus der gesellschaftlichen Debatte.
Mit dem Eingestehen von Fehlern der Partei ist es Martin Schulz gelungen, WählerInnen zurückzugewinnen. 
"Fehler zu machen, das ist nicht ehrenrührig. Wichtig ist, dass diese Fehler korrigiert werden, wenn sie erkannt worden ist. Wir haben sie erkannt.", so Schulz und bezieht damit eindeutig Stellung zu der heftig umstrittenen "Agenda 2010", die unter Schröders Regierungszeit eingeführt worden ist.
Darauf schienen die  Menschen gewartet zu haben, denn im Anschluss an diese Aussage, schossen die Umfragewerte in die Höhe und blieben dort. Zusätzlich konnte die SPD  über 10.000 Partei-Eintritte verbuchen.

Versprechen und Versprechen halten


Mit der Aussicht auf eine andere, sozial gerechtere Politik, hat sich der neue Sympathieträger der Sozialdemokraten eine schwere Bürde und eine große Verantwortung auf sich genommen.

Sollte es der SPD gelingen, nach der Bundestagswahl im September eine Regierungskoalition anzuführen, so muss Schulz beweisen, dass er nicht nur leere Versprechungen gemacht hat.
Tut er nämlich nicht das, was seine WählerInnen erwarten -wie es schon einmal passiert ist - so wird die traditionsreiche Partei in die Bedeutungslosigkeit versinken - mit unabsehbaren Begleiterscheinungen und gesellschaftspolitischen Folgen.

Schulz´GegnerInnen aus Wirtschaft, Politik, Medien, aber auch aus den eigenen Reihen setzen bereits zum Gegenschlag an. Die Agenda 2010 stehe nicht zur Disposition, so die Gegenseite. Schulz plane wohl lediglich kleinere Korrekturen.
Diesbezüglich wird sich der Hoffnungsträger klarer positionieren müssen. Nur pauschal Lohnerhöhungen zu fordern, reicht nicht. Vielmehr müsse er erklären wie er den Gewerkschaften, deren Aufgabe es ist, Lohnerhöhungen durchzusetzen, den Rücken stärken wird.
Es ist löblich, dass Martin Schulz den "täglich hart arbeitenden Menschen" mehr Beachtung schenkt, dabei darf er aber nicht die Menschen vergessen, die nicht so hart arbeiten können oder nicht arbeiten dürfen. Denn auch sie sind Bestandteil der Gesellschaft und verdienen politische Zuwendung.

Was muss Schulz also tun?


Im Grunde gehört die komplette Armutsmaschine der Agenda 2010 auf den Prüfstand - von den Rentenkürzungs-Programmen über das menschenverachtende Hartz-IV-System und seine disziplinierenden Drohwirkungen auf Millionen abhängig Beschäftigte, über das kommerzialisierte Gesundheitswesen bis zu den Fördergesetzen für den enormen Niedriglohnsektor, der in den letzten Jahren zielgerichtet geschaffen worden ist.
In all diesen Fragen - und natürlich auf einer Reihe von anderen Politikfeldern - wird der Spitzenkandidat der SPD Farbe bekennen, BundesgenossInnen gewinnen und sich auf einen dauerhaften harten Gegenwind einstellen müssen.
Wenn er das wirklich will und er das durchsteht, hat er reelle Chancen, einen grundlegenden Politikwechsel durchzusetzen.

Freitag, 14. April 2017

Die Geschichte des 1. Mai


3 x 8 Minuten Arbeitergeschichte. Viel Vergnügen!

Was das Missgeschick eines Apothekers im hessischen Friedewald mit der amerikanischen Streikbewegung 1886 zu tun hat? Hier seht ihr es:



Auf das Massaker am Haymarket in Chicago folgt ein Justizmord, der Weltgeschichte schreibt: "Die Zeit wird kommen, da unser Schweigen im Grabe mächtiger sein wird als unsere Reden". Mehr dazu im zweiten Teil:



Die Zerschlagung der Gewerkschaften in Nazideutschland beginnt mit einem Propaganda-Trick: Der Tag der nationalen Arbeit 1933. Wie es dazu kam, zeigt der dritten Teil:



Der 1. Mai steht vor der Tür. Welche Veranstaltungen in Augsburg stattfinden, darüber erfahrt ihr demnächst mehr in diesem Blog.

Wie seh'n uns, oder?!


Donnerstag, 13. April 2017

Arbeitsgericht weist LIDL in die Schranken


Handelskonzern LIDL verliert am Arbeitsgericht Augsburg: Betriebsrat darf nicht gekündigt werden! 

Das radikale Vorgehen des Handelskonzern LIDL gegen demokratisch gewählte Betriebsräte wurde am heute vom Arbeitsgericht Augsburg gestoppt. Lidl darf das betroffene Betriebsratsmitglied nicht kündigen. Das Arbeitsgericht Augsburg hat nach knapp einstündiger Verhandlung entschieden, dass die Zustimmung zur fristlosen Kündigung des Betriebsratsmitglieds nicht erteilt wird.

Der zuständige ver.di Gewerkschaftssekretär, Thomas Gürlebeck, und der Lidl Betriebsrat fühlen sich mit der Entscheidung des Arbeitsgerichts voll und ganz in ihrer Auffassung bestätigt. „Lidl durfte heute die Erfahrung machen, dass Betriebsratsmitglieder einen besonderen hohen Schutz auf Grund Ihrer Tätigkeit haben und nicht auf Verdacht fristlos gekündigt werden dürfen“, so Thomas Gürlebeck.

„Demokratie und Mitbestimmung dürfen vor dem Betriebstor nicht enden. Der Betriebsrat und ver.di gehen jetzt davon aus, dass die Lidl Geschäftsführung die Jagd auf Betriebsräte beendet und zukünftig im Interesse der Beschäftigten auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Betriebsrat und ver.di wert legt“, so Gürlebeck abschließend.

Ver.di dankt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der heutigen Demonstration vor dem Arbeitsgericht Augsburg, sowie allen Unterstützerinnen und Unterstützern der Postkartenaktion.

Mehr Informationen auf der Website von ver.di.

Dienstag, 11. April 2017

Der Wolf im Schafspelz - Rechtspopulismus entlarven


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute stellen wir Euch das nächste Seminar aus dem ver.di-Bildungsprogramm für die Mitglieder vor.

Nähere Infos finden sich auch unter www.verdi-bildungsportal.de.

Zur Erinnerung:
ver.di hat für die Mitglieder ein umfangreiches Bildungsprogramm, meist kostenlos und meist mit Fahrtkostenzuschuss.


Der Wolf im Schafspelz -
Rechtspopulismus entlarven -
inhaltlich und argumentativ 


vom 07.07.2017 bis 09.07.2017 in Brannenburg 
Beginn: Freitag um 18:00 Uhr 
Ende: Sonntag nach dem Mittagessen 
Veranstaltungsnummer: 17/30/374 

Teilnahmegebühr für Nicht-Mitglieder: € 235,00 
(für ver.di Mitglieder aus Bayern trägt der
ver.di Landesbezirk die Teilnahmegebühr) 

In ganz Europa nimmt die Zustimmung zu den rechtspopulistischen Parteien zu und sie drängen sich immer weiter in die Mitte unserer Gesellschaft. Sie spielen mit Ängsten von Menschen, sprechen diese mit vermeintlich richtigen Argumenten an und geben sich als Weltverbesserer aus. 

Oft stehen wir offensichtlich rechten Äußerungen sprachlos gegenüber, werden sie doch nunmehr von Kolleginnen, Kollegen und Freunden ausgesprochen, bei denen wir nie vermutet haben, dass diese Gedanken vorhanden sind. Wenn wir die menschenverachtende Politik der rechtspopulistischen Parteien aufdecken und unsere Kolleginnen und Kollegen überzeugen wollen, brauchen wir die richtigen Argumente. 

Wir wollen in diesem Seminar Argumente liefern, die es uns erleichtern, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Doch dürfen wir in diesen Gesprächen nicht oberlehrerhaft wirken, obwohl wir wissen, dass wir die besseren Argumente haben. Also wie bekommen wir diesen Spagat hin? 

Themen im Seminar: 
  • Mit welchen (Gegen-)Argumenten können wir auf die Aussagen der rechtspopulistischen Parteien reagieren?
     
  • Wie gehen wir mit menschenverachtenden Parolen und Positionen im Betrieb und in der Gesellschaft um? Wie können wir schlagfertig darauf reagieren?
     
  • Wie können wir Vorurteile und Ängste bei den Kolleginnen und Kollegen abbauen?
     
  • Wie können wir unsere gewerkschaftlichen Positionen und unsere Vorstellungen von einer solidarischen Gesellschaft inhaltlich und argumentativ überzeugend darstellen? 


Montag, 10. April 2017

Handelskonzern LIDL will Betriebsrat kündigen


Kundgebung vor dem Arbeitsgericht am Donnerstag um 9:30 Uhr

Graben bei Augsburg, 10.4.2017.
 Der Handelskonzern LIDL geht radikal gegen demokratisch gewählte Betriebsräte vor. Am 13.4.2017 findet um 10 Uhr am Arbeitsgericht Augsburg die zweite Verhandlung zur geplanten Kündigung eines Betriebsratsmitgliedes bei der Firma Lidl in Graben statt. Nach dem der Betriebsrat die Zustimmung zu der Kündigung verweigert hat, möchte LIDL nun vom Arbeitsgericht Augsburg die Zustimmung des Betriebsrats ersetzten lassen.

Nur Vermutungen und Behauptungen

„Die Vorwürfe gegen unseren Kollegen basieren auf bloßen Vermutungen sowie Behauptungen“, sagte der zuständige Sekretär der Gewerkschaft ver.di, Thomas Gürlebeck. „Es darf bezweifelt werden, dass die von Lidl benannten Zeugen die Vorwürfe bestätigen werden“. Das Vorgehen von Lidl ist typisch für Einzelhandelsunternehmen, um sich unliebsamer Betriebsratsmitglieder zu entledigen“, erklärt Thomas Gürlebeck, zuständiger Handelssekretär, ver.di Augsburg. „Lidl lässt nach außen hin alle glauben, dass man kein Problem mit Gewerkschaften und Betriebsräten hat, tatsächlich entsteht jedoch der Eindruck, dass Demokratie und Mitbestimmung bei Lidl nach wie vor kein Platz haben“, so Gürlebeck weiter.

Postkartenaktion hat schon etwas bewegt

Als erste Reaktion zu der von ver.di aufgerufenen Postkartenaktion musste die für die Küdigung verantwortliche Betriebsleiterin ihren Platz räumen. „Die neue Betriebsleitung müsste nun das Kündigungsbegehren von Lidl am Arbeitsgericht beenden. Dies wäre mehr als vernünftig, “ so Gürlebeck abschließend.

Jetzt gemeinsam Betriebsrats-Mobbing stoppen

Am 13. April 2017 findet um 9:30 Uhr findet vor dem Arbeitsgericht Augsburg eine Kundgebung für den betroffenen Kollegen statt. Motto: „Ich bin sprachlos. Lidl muss Betriebsrats-Mobbing stoppen!“ Sie haben dort die Möglichkeit mit den Betroffen zu sprechen.

Mehr Informationen hier: Betriebsrat soll eingeschüchtert werden


Mittwoch, 5. April 2017

Weltbild Betriebsrat stellt sich neu auf


Heute fand eine konstituierende Sitzung des Weltbild Betriebsrates statt. 


Die Schließung der ALSO-Logistik Ende März hat leider auch direkte Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Arbeitnehmer-Vertretung bei Weltbild. Denn ein halbes Dutzend der Betriebsräte war nach der erzwungenen Aufspaltung des Betriebes vertraglich bei der ALSO-Logistik beschäftigt und hat ebenso wie über 250 weitere Kolleginnen und Kollegen Ende letzten Monats ihren Arbeitsplatz verloren.

Darunter auch der langjährige Vorsitzende Peter Fitz, der bereits in der letzten Betriebsversammlung in den Hallen der Logistik in Lechhausen seinen Rücktritt erklärt hat. (Wir haben hier im Blog darüber berichtet.) Ein herber Verlust, dass so viele engagierte Betriebsräte nun bei der Gedis gelandet sind. Sie alle, und insbesondere auch Peter Fitz als Betriebsratsvorsitzender, haben sich gerade in der schwierigen Zeit der Insolvenz und der Droege Übernahme leidenschaftlich für die gesamte Belegschaft und den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze eingesetzt.


Neuer Vorsitzender: Timm Bossmann 


Für die verbleibende Amtszeit hat das Gremium mit großer Mehrheit den bisherigen Stellvertreter und ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Bossmann zum neuen Vorsitzenden des Betriebsrates gewählt.


Zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde Dolores Sailer. 


Ersatzmitglieder rücken nach.
Automatisch rücken nun folgende Ersatzmitglieder als Vollmitglieder ins Gremium nach:

Dirk Neu
Sara De Santi
Sabine Rath
Jürgen Puschmann
Peter Hellriegel

Außerdem wurde auch der sogenannte Betriebsausschuss per Wahl neu besetzt. (§27 BetrVG)
Dieser umfasst neben dem Vorsitzenden und der Stellvertreterin 3 weitere Betriebsräte. Der Ausschuss führt die laufenden Geschäfte des Betriebsrates für die es keine besonderen Beschlüsse des BRs braucht, z.B. die Vorbereitung der Sitzungen, Erledigung des Schriftverkehrs, organisatorische Aufgaben, Entgegennahme von Anträgen, Besprechungen mit dem Arbeitgeber u.a.

Neben Timm Bossmann und Dolores Sailer gehören künftig dem Betriebsausschuss an:
Josef Trutt, Sara De Santi und Dirk Neu

Gemischte Gefühle im Gremium

Einerseits ist es ein großes Glück, dass der Betriebsrat bei Weltbild personell so breit aufgestellt ist, dass er die Lücken, die durch die ALSO-Schließung verursacht wurden, schließen konnte. Andererseits macht gerade diese Sitzung wieder deutlich, wie massiv die Auswirkungen von Droeges Unternehmenspolitik auf die Belegschaft und ihre Arbeitnehmervertreter bis zum heutigen Tage sind.


Samstag, 1. April 2017

April, April!





Montag, 27. März 2017

Ungleichheit ist kein Naturereignis


SOZIALE SPALTUNG - Die Politik muss entgegenwirken


Dierk Hirschel leitet den Bereich Wirtschaftspolitik beim ver.di- Bundesvorstand

Deutschland ist ein ungleiches Land. Seit einem Vierteljahrhundert öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter. Die soziale Gerechtigkeit ist unter die Räder gekommen. Während Winterkorn, Ackermann & Co millionenschwere leistungslose Einkommen kassieren, tragen Krankenschwestern, Altenpfleger und Postboten große Verantwortung für wenig Geld. Für das Jahresgehalt eines DAX-Vorstands muss ein einfacher Beschäftigter im Schnitt 57 Jahre arbeiten.

Das große Einkommensgefälle ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Die erste Runde der Einkommensverteilung - die sogenannte Primärverteilung - ging in den letzten Jahrzehnten fast immer an die Unternehmer und Vermögensbesitzer. Während Löhne und Gehälter nicht vom Fleck kamen, setzten Gewinne und Vermögenseinkommen Fett an. Die Lohnquote - der Anteil der Löhne am Volkseinkommen - sank, und die Bruttoeinkommen verteilten sich immer ungleicher. Diese eklatante Schieflage konnte in der zweiten Verteilungsrunde durch Steuern und Transfers nicht mehr angemessen korrigiert werden. Folglich nahm die Ungleichheit nach Umverteilung zu.

Die Nettoeinkommen der reichsten zehn Prozent stiegen zwischen 1991 und 2014 preisbereinigt um 27 Prozent. Gleichzeitig sanken die Einkommen des ärmsten Zehntels um acht Prozent. Die Mitte der Gesellschaft musste ebenfalls Einkommensverluste hinnehmen. Die Einkommen der unteren 40 Prozent schrumpften. Zwangsläufig konzentrierte sich immer mehr Einkommen in wenigen Händen. Die reichsten zehn Prozent besitzen heute fast ein Viertel des gesamten Einkommenskuchens. Das Kuchenstück der ärmsten 20 Prozent umfasst hingegen nicht einmal ein Zehntel.

Noch dramatischer ist die Lage bei den Vermögen. Aktien, Anleihen und Immobilien sind ungleicher verteilt als Einkommen. Das reichste Prozent besitzt heute ein Drittel des gesamten privaten Nettovermögens. Das reichste Zehntel verfügt über zwei Drittel. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung geht hingegen fast leer aus.

Für das Jahresgehalt eines DAX-Vorstands muss ein einfacher Beschäftigter im Schnitt 57 Jahre arbeiten


In der neoliberalen Märchenwelt ist die wachsende Ungleichheit ein zwangsläufiges Ergebnis des wirtschaftlichen Wandels. Der technische Fortschritt und die Globalisierung führen angeblich zu einer steigenden Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskräften. Folglich klettern deren Einkommen. Gleichzeitig finden gering Qualifizierte kaum noch Arbeit, weswegen ihre Löhne schrumpfen. Diese vermeintlich einleuchtende Erklärung besteht aber keinen Praxistest. Während in allen Industrieländern der Sturm der Globalisierung und Digitalisierung wütet, entwickelt sich die Verteilung unterschiedlich.

Unbestritten hat die erweiterte internationale Arbeitsteilung die Verhandlungsmacht der Kapitaleigentümer und des Managements gestärkt. Die Herrschaft der Finanzmärkte verschärfte die Umverteilung von Unten nach Oben. Unbestritten ist auch der massive Umbau der Arbeitswelt im digitalen Zeitalter. Die Auswirkungen dieses ökonomischen Strukturwandels auf die Einkommens- und Vermögensverteilung sind aber immer abhängig von seiner politischen Gestaltung.

Politik macht den Unterschied. Im Mittelpunkt steht dabei der Arbeitsmarkt. Die wachsende Ungleichheit geht im Kern auf die politische Entwertung und Entgrenzung der Arbeit zurück. Armutslöhne und prekäre Beschäftigung schwächten die Gewerkschaften. Die Tarifflucht vieler Unternehmen tat ein Übriges. Heute verhandeln ver.di, IG Metall und Co. nur noch für drei von fünf Beschäftigten. Und der neoliberale Ab- und Umbau des Sozialstaates - Leistungskürzungen bei Arbeitslosigkeit, Rente und Gesundheit sowie eine umfangreiche steuerpolitische Reichtumspflege - ist dafür verantwortlich, dass die stark wachsende Ungleichheit der Markteinkommen nicht mehr verteilungspolitisch gebremst werden konnte. Damit muss Schluss sein.

Das beste Rezept gegen Ungleichheit sind starke Gewerkschaften und ein gutes Regelwerk auf dem Arbeitsmarkt. Deswegen muss zunächst das Tarifsystem gestärkt, prekäre durch gute Arbeit ersetzt, der Mindestlohn erhöht, die Hartz-Gesetze müssen korrigiert und die Mitbestimmung muss ausgebaut werden. Darüber hinaus muss unser Sozialstaat wieder für mehr Steuergerechtigkeit sorgen. Große Einkommen und Vermögen müssen stärker besteuert werden. Dafür brauchen wir einen höheren Spitzensteuersatz, eine Vermögenssteuer sowie eine höhere Besteuerung großer Erbschaften und Unternehmensgewinne. Die kommenden Bundestagswahlen werden darüber entscheiden, ob sich die soziale Spaltung fortsetzt. Mehr soziale Gerechtigkeit erfordert mehr gewerkschaftliche und politische Gegenmacht.

Aus ver.di publik 1-2017


Donnerstag, 23. März 2017

Der Knüller: Weltbild hatte mal eine tolle eigene Logistik!


Sensationeller Fund – Historisches Dokument aufgetaucht!


Kaum zu glauben. Aus den Tiefen des Internets ist bei youtube ein Video aufgetaucht, das ihr unbedingt anschauen müsst. Da fasst man sich an den Kopf und fragt sich staunend: Gab's das wirklich? Ja, das gab's wirklich – bei Weltbild.

Ein hochmodernes Versandzentrum, genau auf die Bedürfnisse von Weltbild zugeschnitten, wo komplexe Abläufe reibungslos ineinander laufen, wo alles genau aufeinander abgestimmt ist und ausgeführt wird von qualifiziertem Personal! Das Know-how, die Technik und die Kompetenz – alles in einer Hand bei Weltbild. Und das direkt vor der Haustür in Augsburg Lechhausen. All das mit einem einzigen Ziel: Damit die Kunden zügig genau das bekommen, was sie bestellt haben. Unglaublich!

Wenn es das nicht schon gegeben hätte, man hätte es erst erfinden müssen ... oder irgendwo anders mühsam neu bauen müssen ... 




Ja, hätte man das mal früher gewusst ... Hätte einem das mal einer gesagt ... 

Diejenigen, die sich heute mit den Abläufen der neuen Logistik in Bor befassen, werden mit großen Augen vor dem Bildschirm sitzen und denken: geradezu unglaublich, wie das alles funktioniert hat!

Und diejenigen, die jahrelang im Weltbild-Versandzentrum gearbeitet haben und dann miterleben mussten, wie es nach und nach platt gemacht wurde, und die alle in die Arbeitslosigkeit gegangen sind ... denen wird es die Tränen in die Augen treiben.

Kein Wunder, dass der Betriebsrat und die Gewerkschaft bis zuletzt vehement für eine Fortführung der Weltbild-Logistik gekämpft haben – und nie von diesem Ziel abgerückt sind.

Und nicht zuletzt wird diejenigen unter den KollegInnen, die meinten, ihre eigenen Jobs retten zu können, indem man stillschweigend die Logistik opfert, langsam ein mulmiges Gefühl beschleichen beim Vergleich des Videos mit dem aktuellen Bor-Versand. 

Ob die Überflieger von der Droege Group in Düsseldorf überhaupt wussten, was es hier für ein tolles Versandzentrum gab? Wahrscheinlich nicht, denn der sensationelle Film aus dem Internet kommt ja jetzt erst ans Tageslicht. 

Nee, Spaß beiseite. Natürlich wussten sie es. Aber es ist ihnen zu teuer gewesen. Kennt man ja.

Ist immer gut, wenn man einen Investor an Hand hat, der ein top funktionierendes Versandzentrum so konsequent schließen kann. Jedes Metier hat seinen Meister! 


Samstag, 18. März 2017

WELTBILD-Logistik nimmt Abschied: Danke, Herr Dröge, für NICHTS!


"Ihr wart verantwortlich für die Arbeitsbedingungen von Menschen, die ihr gar nicht kennt." Sichtlich bewegt nahm ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck am Freitag Abschied von den KollegInnen der WELTBILD-Logistik. Als einer der wenigen streikfähigen Betriebe habe WELTBILD die Tarifverträge des bayerischen Buchhandels entscheidend geprägt. "Ohne euch ist die Luft raus", fürchtet der Gewerkschafter und bedankte sich auf der letzten Betriebsversammlung vor der Schließung bei den KollegInnen.



Auch BR-Vorsitzender Peter Fitz nahm nach 26 Jahren Abschied: "Den größten Teil von euch kenne ich schon seit Jahrzehnten, und es war mir immer eine Freude mit euch zusammenzuarbeiten. Wir haben in dieser Zeit viel erreicht, und wir konnten uns immer aufeinander verlassen. Ohne euch wäre es unmöglich gewesen, auch nur eine der zahlreichen Gehaltserhöhungen durchzuboxen."

Der BR wehrte sich bis zuletzt gegen die Schließung

Peter Fitz betonte, dass sich der Betriebsrat bis zuletzt "vehement und mit allen guten Argumenten" gegen die Schließung gewehrt hatte. Am Ende leider erfolglos: "Wieder einmal hat es ein Kapitalist, in unserem Fall ein Herr Droege aus Düsseldorf, geschafft, ein Unternehmen, das man nach der Insolvenz wieder gut hätte weiterführen und zum Erfolg bringen können, durch Ignoranz, Kaltschnäuzigkeit und Rechthaberei an die Wand zu fahren."

Das bestätigte auch Gürlebeck: "Ihr seid dafür verantwortlich, dass es 2014 weiterging. Durch euren unverdrossenen Einsatz war es möglich, Herrn Dröge ein zukunftsfähiges Unternehmen zu übergeben. Jetzt nimmt er WELTBILD die größte Stütze weg – eine funktionierende Logistik."

Das betonte auch die langjährige Betriebsrätin Visnja Bernhard: "Wir haben bis zum Schluss unseren Job gemacht. Wir gehen erhobenen Hauptes hier raus, denn wir sind es wert!" Zusammen mit Peter Fitz hat Visnja Bernhard den Betriebsrat von WELTBILD über Jahrzehnte geprägt. Etliche Betriebsvereinbarungen – wie zum Beispiel zur flexiblen Arbeitszeit – gehen wesentlich auf ihren unermüdlichen Einsatz zurück. Dafür und für den kämpferischen Einsatz als Gewerkschafter bedankte sich Thomas Gürlebeck bei beiden mit einem Blumenstrauß.



"Wir gehen erhobenen Hauptes hier raus!"

Im Anschluß meldeten sich auch die Betriebsseelsorger Erwin Helmer, Hans Gilg und Leo Bernhard zu Wort. Alle drei haben die WELTBILD-Belegschaft während der letzten Jahre intensiv begleitet und unterstützt. Helmer erinnerte an Artikel 14 des Grundgesetztes: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. "Da hat wohl jemand gelesen: Eigentum soll der Gemeinheit dienen. Ihr seid Opfer einer Gemeinheit geworden und falscher Versprechungen. Hier werden Menschen zu Spekulationsobjekten gemacht, das ist eine Ungerechtigkeit."

Hans Gilg von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) erzählte von der Begegnung mit einer Kollegin: "Die hat mir gesagt: Dröge hat mir die Gesundheit genommen und jetzt auch noch meinen Arbeitsplatz und meine Existenz. Aber meine Würde nimmt er mir nicht." Gilg ist sich sicher: "Wenn ihr am letzten Tag in den Spiegel schaut, dann könnt ihr reinschauen, denn ihr habt bis zuletzt gekämpft. Ich weiß nicht, was ein Herr Dröge sieht, wenn er in den Spiegel schaut."

Milliardär Dröge jetzt auf Platz 15 der reichsten Deutschen

Dazu passte auch ein Hinweis von Peter Fitz: In dem Zeitraum, in dem Droege tausende von Arbeitsplätzen bei WELTBILD und in den Filialen vernichtete, "kletterte er von Platz 74 auf Platz 15 auf der Liste der reichsten Deutschen und hat inzwischen ein Privatvermögen von unvorstellbaren 6,4 Milliarden Euro angehäuft."

Entsprechend versammelten sich ein letztes Fähnlein ungebrochener Logistik-KollegInnen für ein letztes Foto hinter einem Banner mit der Aufschrift "Vom Retter zum Schredder – Hauptsache Dröge geht es gut!" Beendet wurde die Betriebsversammlung mit einigen Piccolos Sekt, den die Gewerkschaft ver.di spendiert hatte. Auf den Etiketten stand zu lesen, was den KollegInnen auf der Zunge lag: "Ich habe fertig… Danke, Herr Droege, für NICHTS!"


Montag, 13. März 2017

Betriebsrats-Mobbing bei LIDL


Union-Busting - schlicht ausgedrückt : Gewerkschaftsvermeidung, treffender ist  "Gewerkschafts-Prügel"
Was auf den ersten Blick recht harmlos wirkt und weit weg scheint, breitet sich immer weiter in Unternehmen in Deutschland aus.
Es ist inzwischen kein amerikanisches Phänomen mehr, wie eine Studie der gewerkschaftsnahen Otto Brenner Stiftung belegt.
Beispiele gibt es viele, von Samsung über BMW, Volkswagen, Siemens, H&M zu McDonalds oder Burger King, um nur ein paar zu nennen.

Aber auch ganz in unserer Nähe versuchen Arbeitgeber "lästige Betriebsräte" loszuwerden.
Aktuellster Fall: Lidl in Graben bei Augsburg.

Lidl will Betriebsratsmitglied kündigen


Die Geschäftsführung des Lidl-Logistikzentrums in Graben versucht derzeit einem Betriebsratsmitglied zu kündigen.
Hintergrund ist, dass der betreffende Kollege sowohl seinen Chef, als auch einen behinderten Mitarbeiter beschimpft haben soll.
Diesen Vorwurf weist der 41-jährige von sich,  Der Betriebsrat stimmte der Kündigung auch nicht zu.
Im November letzten Jahres fand ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Augsburg statt, der ohne Ergebnis blieb. Im April steht ein Kammertermin an.

Betriebsrat soll eingeschüchtert werden


Im Sommer 2016 fand im Lidl-Logistikzentrum mit etwa 170 MitarbeiterInnen die erste 
Betriebsratswahl statt, die ohne Probleme ablief. Es scheint, als hätte die Geschäftsführung inzwischen erkannt, dass es aufgrund von deutschem Recht und der daraus folgenden Rechtssprechung schwierig ist, Betriebsratswahlen zu verhindern.
Thomas Gürlebeck, zuständiger ver.di-Sekretär, vermutet, dass mit der versuchten Kündigung das gesamte Gremium eingeschüchtert werden soll. "Anstatt mit Betriebsräten vertrauensvoll zusammenzuarbeiten, will Lidl diese aus dem Unternehmen entfernen", so Gürlebeck.
Die Vermutung liegt nahe, da das Betriebsratsmitglied treibende Kraft hinter der Wahl gewesen ist, auch wenn Lidl diesen Zusammenhang dementiert.

Vorwürfe nicht haltbar

Der von der Kündigung bedrohte Betriebsrat weist die Anschuldigungen von sich.
Lidl habe bislang keine unbeteiligten Zeugen für die vermeintlichen Äußerungen gegenüber den Kollegen benennen können.
Dennoch versuchte die Lidl-Geschäftsleitung kurz vor Weihnachten erneut, dem Gewerkschafter zu kündigen. Der Vorwurf diesmal lautete, dass sich der 41-jährige gegenüber einer Person einer Fremdfirma abfällig über die Geschäftsleitung geäußert habe.
Das Betriebsratsgremium stellte einen Fragenkatalog zusammen, in dem die Geschäftsführung aufgefordert wurde, genau zu benennen, wann der Vorfall stattgefunden habe und wem gegenüber diese Äußerungen getätigt wurden. Dies blieb bis zum jetzigen Zeitpunkt unbeantwortet.

Wie geht es weiter?

Für Ende März 2017 war ein Kammertermin vor dem Arbeitsgericht angesetzt, der auf Bitten Lidls verschoben wurde, Vermutlich findet der Termin nun im April statt.
Der ver.di-Bezirk Augsburg hat eine Postkartenaktion gestartet, um den Druck auf das Unternehmen zu erhöhen.






Die Postkarten werden gesammelt und zusammen der Lidl-Geschäftsführung übergeben.
Postkarten können per E-Mail beim ver.di-Bezirk Augsburg angefordert werden:
fb12.augsburg@verdi.de

Quelle: ver.di - www.verdi.de

Freitag, 10. März 2017

Vom Konflikt zur Kampagne: Schritt für Schritt stärker werden


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute stellen wir Euch das nächste Seminar aus dem ver.di-Bildungsprogramm für die Mitglieder vor.
Nähere Infos finden sich auch unter www.verdi-bildungsportal.de.

Zur Erinnerung:
ver.di hat für die Mitglieder ein umfangreiches Bildungsprogramm, meist kostenlos und meist mit Fahrtkostenzuschuss.


Vom Konflikt zur Kampagne: Schritt für Schritt stärker werden


vom 23.06.2017 bis 25.06.2017 in Beilngries-Paulushofen
Beginn: Freitag um 18:00 Uhr
Ende: Sonntag nach dem Mittagessen
Veranstaltungsnummer:
17/30/373

Teilnahmegebühr für Nicht-Mitglieder: € 235,00
(für ver.di Mitglieder aus Bayern trägt der
ver.di Landesbezirk die Teilnahmegebühr)

Wer im Betrieb oder der Dienststelle etwas durchsetzen will, braucht die Belegschaft hinter sich. Aber es wird immer schwieriger, Kolleginnen und Kollegen für gewerkschaftliche Themen zu begeistern. Wir haben einen Kampagnen-Baukasten entwickelt, der euch Schritt für Schritt zum Erfolg führt. Das Seminar für Vertrauensleute und gewerkschaftlich aktive Mitglieder im Betriebs-oder Personalrat, die schnell viel(e) erreichen wollen.

Ausgehend von realen Konflikten in euren eigenen Betrieben erarbeitet ihr komplette Kampagnen-Konzepte, die sich wirklich umsetzen lassen. Erfahrene Verdianer_innen begleiten eure Arbeitsgruppen, und zeigen euch bewährte Methoden und Techniken:

  • Welche Themen und Konflikte eignen sich für Kampagnen?
  • Ziele finden und formulieren mit der SMART-Methode
  • Betriebslandkarte: ver.di-Netzwerke im Betrieb bilden und ausbauen
  • Unternehmens-Recherche: Angriffspunkte erkennen und nutzen
  • Strategisch planen: vom Kampagnen-Slogan bis zur Druckkurve
  • Aktionen, Aktionen, Aktionen: So findet ihr Ideen, die begeistern
 

Donnerstag, 9. März 2017

Letzte Betriebsversammlung in der Logistik


Am 31. März schließt die Logistik von WELTBILD. Alle verbliebenen rund 300 KollegInnen wechseln für 9 Monate in eine Transfergesellschaft. Unsere KundInnen sollen künftig über ein Lager in Tschechien beliefert werden. Der Betriebsrat hatte sich bis zuletzt für den Fortbestand der Auslieferung in Augsburg eingesetzt. Das Management des ALSO-Konzerns, zu dem die Logistik seit der Insolvenz gehörte, führte gezielt eine erneute Pleite herbei und will den billig erworbenen Standort künftig für eigene Geschäfte nutzen. MitarbeiterInnen von der WELTBILD-Logistik werden dabei aber nicht übernommen. 



Montag, 6. März 2017

Einladung: Internationaler Frauentag


Der DGB Augsburg lädt alle interessierten Kolleginnen herzlich zur Feier des Internationalen Frauentags 2017 ein. 



Mittwoch, 08. März 2017, 19:00 Uhr
im Abraxas, Sommestr. 30, 86156 Augsburg
(Straßenbahnhaltestelle St. Thaddäus, Linie 2)

Unter dem Motto "Lieber gleich berechtigt als später" gibt es 
 
• Nachdenkliches zum Internationalen Frauentag
• Spritzige Sketche der DGB-Frauen
• musikalische Gestaltung: Helga S.


Zur Einstimmung auf diesen wichtigen Tag hier noch ein kleiner Film: 
"Ist Gleichberechtigung noch ein Thema in deiner Generation?"



Frauen von Altersarmut besonders bedroht





Zum Vergrößern einfach die Bilder anklicken. Wer die Information als PDF-Datei herunterladen möchte, klickt bitte hier (Dropbox).

Freitag, 3. März 2017

BR-Info: Arbeitsbedingungen verbessern sich nicht von selbst


Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der WELTBILD-Verwaltung ist seit Wochen ein zentraler Punkt auf der Agenda des Betriebsrats. Heute hat das Gremium ein Rundschreiben veröffentlicht und berichtet von konkreten Fortschritten bei diesem wichtigen Thema. Wir dokumentieren hier den Wortlaut:


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

auf unserer jüngsten Betriebsversammlung im Dezember haben wir euch von den Resultaten der Psychischen Gefährdungsbeurteilung berichtet. Niemand hatte ein berauschendes Ergebnis erwartet, aber die Werte waren noch weit schlechter als befürchtet. Wer Details nachlesen möchte, wird im hier fündig: Gefährdungsbeurteilung: Arbeit bei Weltbild macht Mitarbeiter krank.

Selbst unsere Geschäftsführung war zunächst bestürzt, wie brutal die Belastungen für die Beschäftigten sind, und wie hoch die Unzufriedenheit tatsächlich ist. Den spontanen Lippenbekenntnissen folgten leider zunächst keine Taten. Nun lassen sich die unhaltbaren Zustände mit ein paar warmen Worten aber nicht ändern. Verbesserungen erfordern konkrete Maßnahmen, die am Ende eben auch Geld kosten. Geld, das offensichtlich immer dann ausreichend vorhanden ist, wenn man Führungskräfte abfinden möchte, oder die Ergebnisse der eigenen Fehlplanungen korrigieren muss. 

Wir sind der Meinung: Die Gesundheit der MitarbeiterInnen hat oberste Priorität. Deshalb haben wir in den zurückliegenden Wochen einen steten Druck ausgeübt, um bei diesem wichtigen Thema etwas zu bewegen. Was haben wir bisher erreicht? 

Die Paritätische Kommission hat fleißig gearbeitet und in vielen Fällen einvernehmliche Lösungen gefunden. Die umfangreiche Mängelliste, die bei den Begehungen aufgenommen wurde, ist laut den Zentralen Diensten zum größten Teil abgearbeitet. Es gibt eine neue Betriebsärztin und die Einsatzstunden der – ebenfalls neuen – Sicherheitsfachkraft wurden deutlich über das gesetzliche Mindestmaß hinaus erhöht.

Die Personalleitung hat mit allen Führungskräften der untersuchten Bereiche gesprochen, und versucht, sich selbst ein Bild zu machen. Die Ergebnisse waren aus unserer Sicht aber noch nicht zielführend. Deshalb haben wir vehement darauf gedrungen, dass in allen 8 Bereichen Mitarbeiter-Workshops stattfinden. Mithilfe fachkundiger, externer Moderatoren sollen konkrete Lösungen für die vielfältigen Probleme erarbeitet werden. Am Ende ist der Betriebsrat einen ungewöhnlichen Weg gegangen und hat selbst mit dem Dienstleister ein neues Angebot für die Workshops verhandelt. Schließlich hat der Arbeitgeber eingelenkt, und wir sind dieses Mal ohne Rechtsmittel zum Ziel gekommen.

Aktuell werden die Termine für die Workshops abgeklärt. Im nächsten Schritt folgt zeitnah das Angebot an alle interessierten KollegInnen teilzunehmen und die Arbeitsrunden mit Leben zu füllen. In letzter Konsequenz wird es auch von der Beteiligung an den Workshops abhängen, wie sich die Arbeitsbedingungen bei WELTBILD verändern. 

Es bleibt noch manches dicke Brett zu bohren. Wir bleiben dran:


Euer Betriebsrat

Donnerstag, 2. März 2017

Arbeit 4.0 - Die Tücken der Wahlarbeitszeit


Liebe KollegInnen,

wir haben inzwischen schon viele Jahre Erfahrung mit der sogenannten "Vertrauensarbeitszeit" gemacht und zu diesem Thema einiges geschrieben (siehe die Links am Ende des Artikels).

Es klingt wie eine schöne Geste des Arbeitgebers:
Er vertraut uns, dass wir unsere Arbeitszeit wie im Arbeitsvertrag geregelt einbringen und verzichtet darauf, uns kleinlich zu kontrollieren.
Diese Geste ist auch durchaus angebracht, denn bei allen Tätigkeiten, die nicht nach Stückzahlen messbar sind, misst eine Stempeluhr nur die Anwesenheitszeit und nicht die Güte dessen, was in dieser Zeit für die Firma getan wurde.

Die Identifikation mit der Firma und die positive Motivierung der Mitarbeiter führt zu besseren Arbeitsergebnissen, nicht
eine kleinkarierte Kontrollsucht. Sie ist kontraproduktiv und führt nur zu individuellen Gegenmaßnahmen.
Das ist die positive Seite.

Die negative Seite kennen wir auch.
Man kann keine Gleittage nehmen, weil man keinen Beleg über geleistete Überstunden hat und soweit ist unser Arbeitgeber leider noch nicht mit seinem angeblichen Vertrauen, dass er den Mitarbeitern dann auch glaubt, wenn sie sagen, sie haben inzwischen genug Überstunden für einen oder mehrere Gleittage gemacht.

Schlimmer ist die Selbst- und Fremdausbeutung der KollegInnen.
Jeder kennt das, es gibt viele, die mehr als die 37,5 tariflich durch die Gewerkschaft (und das sind eigentlich wir alle oder sollten das zumindest sein !) erkämpften Wochenstunden arbeiten.
Aber nur für die 37,5 Stunden zahlt der Arbeitgeber ein Entgelt, alles darüber ist kostenlose Arbeit, wenn es keinen Überstundenausgleich gibt.

Jede Wette, dass es KollegInnen gibt, die gar nicht wissen, dass die tarifliche Wochenarbeitszeit 37,5 Stunden ist.
Die Gefährdungsbeurteilung hat das Bild der Überlastung ebenfalls bestätigt.
Menschen werden auch krank dadurch, jeder hat Beispiele dafür im eigenen Umfeld.
Wir kennen inzwischen leider Arbeitgeber, die das nicht stört.
KollegInnen, die sich viele Jahre für die Firma aufgeopfert haben, werden einfach entlassen oder heraus gegrault und durch billigere und jüngere ersetzt, das war sogar schon vor der Insolvenz so.

KollegInnen, die sich gegen Überstunden nicht wehren können, kann man nur immer wieder empfehlen, zur Stempelkarte zurückzukehren. Hier gibt es eine Überstundenregelung und das verhindert auch gleichzeitig eine Überschreitung der gesetzlichen Arbeitszeitregeln.
Der Betriebsrat berät und unterstützt beim Umstieg auf die Stempelkarte, einfach mal unverbindlich anfragen !

Uns stehen weiterhin unruhige Zeiten bevor, das betrifft auch außertariflich bezahlte Mitarbeiter, auch sie hängen von den gewerkschaftlichen Errungenschaften ab und sollten sich solidarisch zeigen und sich beteiligen, schon aus eigenem Interesse.

Der Arbeitgeber und auch der Gesetzgeber (s.u.) wird an allen Schrauben drehen, die er zur Verfügung hat und die einzige Möglichkeit, dem etwas entgegenzusetzen, ist es eine Gemeinschaft zu sein und in die Gemeinschaft der Arbeitnehmer einzutreten, die Gewerkschaft.
Das ist unsere Lobby, eine andere haben wir nicht !
Die Betriebsräte und Vertrauensleute beraten hier gerne, auf Wunsch selbstverständlich auch vertraulich.

Die Mitgliedschaft kostet auch gar nicht so viel, sie ist von der Steuer absetzbar und Rechtschutz und Beratung ist auch dabei, einfach mal informieren !



Anbei ein Kommentar von ver.di publik zur Wahlarbeitszeit:

Arbeit 4.0

Die Tücken der Wahlarbeitszeit

Am Arbeitszeitgesetz darf nicht gerüttelt werden


Marion Lühring ist Redakteurin der ver.di publik

Arbeitshetze ist zunehmend Alltag, daran hat auch der technische Fortschritt nichts geändert. Vier von fünf Beschäftigten quer durch alle Branchen nutzen Computer, Smartphone und Co, doch die Arbeitsbelastung hat zugenommen. Wer schon schlechte Arbeitsbedingungen hat und oft unbezahlte Arbeit leistet, der nimmt auch eher Arbeit mit nach Hause. Arbeitsdruck, Mehrarbeit, Pausenverzicht und atypische Arbeitszeiten führen immer öfter dazu, nicht mehr von der Arbeit abschalten zu können.

Gute Arbeit ist nach wie vor nicht selbstverständlich, sie muss gestaltet werden. Dabei helfen Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge und Gesetze wie das bestehende Arbeitszeitgesetz, das die tägliche höchstzulässige Arbeitszeit und die Mindestruhezeiten zwischen Ende und Wiederaufnahme der Arbeit regelt. Auch zum Schutz der Gesundheit. Nun aber will Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) an der Arbeitszeit schrauben und bestehende Regelungen aushebeln, wenn sie im Weißbuch für Arbeit 4.0 mehr Flexibilität durch Wahlarbeitszeit in Aussicht stellt. Sie verspricht einen schönen Nachmittag mit den Kindern, im Gegenzug könne man selbstbestimmt abends arbeiten. Wahlarbeitszeit eben.

Aber ist so eine freie Wahl überhaupt realistisch? Wie gut lassen sich die Interessen der Beschäftigten bei Wahlarbeitszeit durchsetzen? Wie schnell fällt der freie Nachmittag aus, die Mehrarbeit am Abend oder in der Nacht aber nicht, weil Überstunden und atypische Arbeitszeiten zunehmend üblich werden?

Mehr Einfluss auf die Arbeitszeitgestaltung, das wäre sicher wünschenswert, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Doch wenn ein Modell der Wahlarbeitszeit den Beschäftigten nutzen und nicht zu Lasten ihrer Gesundheit gehen soll, dann darf am bisherigen Arbeitszeitgesetz nicht gerüttelt werden. Es hatte schließlich seinen guten Grund, warum die Schutzregelungen darin eingeführt wurden.


Weitere Artikel zum Thema im Blog:


Lange Arbeitszeiten drücken AT-Lohn unter Niveau von Tarifgruppe V

Ich stemple und ich fühle mich gut dabei!

Stress im Job - systematische Überforderung der Arbeitnehmer

Gesammelte Blog-Artikel zur Arbeitszeit:


Freitag, 24. Februar 2017

Alternative Wahrheiten und die Überbewertung der Objektivität


In Zeiten, da das Epizentrum der Macht sein Wahlvolk via Twitter, fundiert über das informiert, was ihm gerade so an visionären Eingebungen aus dem Neocortex tröpfelt (weil die Lügenbande von Presse ihn gar nicht verstehen will), wird aus den eigenen schmalen Brettern auch gerne einmal eine  "alternative" Wahrheit, was allerdings nur grob verschleiern kann, dass es sich dabei um nichts weiter als schiere Hybris handelt. Oder, um es mit Pippi Langstrumpf zu sagen: 
" ... ich mache mir die Welt, wiede-wiede-wie sie mit gefällt!" Ein sehr guter Zeitpunkt, um auch an dieser Stelle das enge Korsett von solider Recherche und belegbaren Fakten abzustreifen und Spaß zu haben...

Die Wahrheiten hier im Hause Weltbild, wie wir sie jeden Tag erfahren, sind wenig dazu angetan, das werte Publikum angemessen zu erheitern.

Die nötigen Maßnahmen zu sinnvollen Umstrukturierung kosten leider Geld. Und das scheint  auf den ersten Blick eher knapp zu sein, wenn es nicht darum geht die mittlere und obere Führungsebene mit neuen Highperformern aufzustocken. Aber, wenn man sich ein wenig mit den Hintergründen beschäftigt, sollte doch wirklich ausreichend Kohle da sein! Die Belegschaft wurde drastisch reduziert und am 31.03.2017 wird unsere Logistik final ausgelöscht, um an anderer Stelle phoenixgleich neu zu erstehen, wo alles so gut wie gar nix kostet und die Leute fast dafür bezahlen, um für Weltbild arbeiten zu dürfen.
Aber, was noch viel ausschlaggebender ist: Wir gehören Walter P. J. Droege, dem reichsten Mann der Welt ... oder Deutschlands ... oder Düsseldorfs.
Eine  unmotivierte 2-Minuten-Googlesuche bringt dazu interessante Fakten ans Tageslicht . Laut Forbes belegt er, mit 5,9 Milliarden Euro, immerhin Platz 6 unter den zehn reichsten Selfmade-Deutschen. Aha! Aufregender als die Platzierung, scheint allerdings die Frage, wie er das hingekriegt hat ... sich selbst zu machen. Hat er sich quasi aus dem nichts heraus, mit einem feuchten "Plopp" selbst erschaffen und fing dann gleich damit an  furchtbar reich zu werden? Während wir anderen es, als Produkt von rechtschaffenem, ergebnisorientierten Beischlaf zu nichts gebracht haben? Vielleicht waren wir einfach nicht ehrgeizig genug ... oder zu wenig skrupellos ... aber egal!
Möglicherweise heißt  die Formulierung ja gar nicht "sich-selbst-machen", sondern sich "selbst-deutsch-machen". Was war Droege dann zuvor? Schweizer? Unwahrscheinlich, da downgrade. Eventuell Tscheche, was logistisch zumindest einigen erklären könnte!

Schaut man sich im Vergleich zum nationalen Ranking die globale Hitparade an, findet man ihn, nachdem man sich fast einen Wolf gescrollt hat, auf einem eher enttäuschenden Platz 178, allerdings um 500 Millionen reicher, also mit 6,4 Milliarden. Für diesen Zugewinn könnte wohl jeder von uns mit dieser miesen Plazierung leben ...
Als finales Ergebnis der Recherche zeigt sich, dass Walter P. J. Droege, wenn schon nicht die Vision oder den Willen hat Weltbild wieder ins Licht zuführen, das Geld doch zumindest da wäre und somit diese Ausrede weg.

Nun zur knallharten Analyse, die aufdeckt, wie Droege in Wirklichkeit so reich geworden ist. Das verblüffende Ergebnisse liefert die grafische Auswertung der droege'schen Vermögensentwicklung über die letzten Jahre.
Um dem Kerngedanken dieses Textes treu zu bleiben, habe ich auf die opportune Umsetzung mit aufwendigen Mitteln verzichtet und das Ganze einfach schnell mit Stift und Zettel hingerotzt:


Hier enthüllt sich unwiderlegbar, ein bis heute völlig unbekannter oder vielleicht nur sehr gut verschleierter Zusammenhang:

Seit der Übernahme von Weltbild für schlappe 20 Millionen Euro, hat sich das Vermögen Droeges ungefähr vervierfacht!!! Das entspricht in etwa einem Zuwachs von 5 Milliarden Euro (= 5.000.000.000 Euro).  Diese hat der pfiffige Investor, wie die Grafik unwiderlegbar zeigt, allein aus der insolventen Verlagsgruppe gepresst. Vielleicht kann er - wenn er sich wirklich bemüht - sogar Wasser in Wein verwandeln?! Oder Scheiße in Gold ... wenn nicht sogar Lügen in Wahrheit!

Irgendwann ist es aber auch an der Zeit zurückzugeben ... vielleicht nicht die ganze Kohle, aber doch zumindest soviel, dass der Laden hier wieder halbwegs läuft. Hey Walter, du musst uns nicht mögen, machen wir umgekehrt ja auch nicht, aber wenn du in den nächsten Jahren dein pekuniäres Wachstum am Laufen halten möchtest, solltest du den Motor diese Wachstums - Weltbild! - auch anständig schmieren.

Halte uns am Laufen und wir sorgen dafür, dass du in der Forbes-Liste weiter nach oben kommst ... eine echte Win-Win-Situation.

Als Schlussgedanken sei allen mit auf den Weg gegeben: Ob die Wahrheit nun nackt und hässlich, alternativlos oder einfach alternativ ist, muss jeden für sich entscheiden. Einfacher lebt es sich, wenn man nicht versucht die Objektivität überzubewerten und  hin und wieder mit derselben Dreistigkeit zurück schießt, die einem von ganz oben vorgelebt wird.








Dienstag, 21. Februar 2017

„Ich reich dir die Hand“ - Willkommen im Betrieb - gewerkschaftliche Handlungsmöglichkeiten für die Integration von Geflüchteten


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute stellen wir Euch das nächste Seminar aus dem ver.di-Bildungsprogramm für die Mitglieder vor.
Nähere Infos finden sich auch unter www.verdi-bildungsportal.de.

Zur Erinnerung:
ver.di hat für die Mitglieder ein umfangreiches Bildungsprogramm, meist kostenlos und meist mit Fahrtkostenzuschuss.


„Ich reich dir die Hand“ -
Willkommen im Betrieb - gewerkschaftliche
Handlungsmöglichkeiten für die Integration von
Geflüchteten


vom 12.05.2017 bis 14.05.2017 in Beilngries-Paulushofen
Beginn: Freitag um 18:00 Uhr
Ende: Sonntag nach dem Mittagessen
Veranstaltungsnummer: 17/30/372

Teilnahmegebühr für Nicht-Mitglieder: € 235,00
(für ver.di Mitglieder aus Bayern trägt der
ver.di Landesbezirk die Teilnahmegebühr)


Für uns Gewerkschaften spielt die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt eine ganz besondere Rolle. Hier gilt es die Interessen und Bedürfnisse der Belegschaft und der Geflüchteten in Einklang zu bringen.
Wir müssen uns darüber unterhalten, wie es uns gelingen kann die gegenseitigen Ängste abzubauen und ein gemeinsames Miteinander zu schaffen.
Aber müssen wir wirklich Angst haben, wenn Menschen in unseren Betrieb kommen?
Nein! Wir haben doch in allen Jahren gelernt mit den verschiedenen Charakteren der Menschen umzugehen. Warum soll das jetzt anders sein?

Themen im Seminar:

  • Neue Mitarbeiter_innen bringen neue Kulturen mit, wie können die "alten" Kolleginnen und Kollegen sensibilisiert werden?
  • Wie kann das Eis gebrochen werden?
  • Wie geht man mit den Kolleg_innen um, die das Eis nicht brechen wollen?
  • Was können wir als Gewerkschafter_innen dazu beitragen, um die Integration der Geflüchteten zu unterstützen?


Sonntag, 19. Februar 2017

Dieter Hallervorden Clip


Aktueller den je: Ein Sketch zum Standort Deutschland.
Sehr witzig, aber auch erschreckend nah an der Wirklichkeit.




Donnerstag, 16. Februar 2017

Versammlung der ver.di Mitglieder von Weltbild und ALSO Augsburg



Es ist ein kleiner Saal in der Gaststätte Schwabenhaus an der Haunstetter Straße, dafür aber voll besetzt. Hier tauschten sich am Dienstag ver.di Miglieder der Weltbild GmbH und ALSO Logistik Augsburg rege aus. Vor nicht so langer Zeit durch pure Machtausübung auseinander geteilt, war die Stimmung der ehemaligen Verlagsgruppe-KollegInnen an diesem Abend geprägt von einem andauernden Kameradschaftsgefühl. Immer wieder warfen im Laufe des Abends KollegInnen Ihre Sorgen und Erfahrungen am Arbeitsplatz in den Raum und immer wieder herrschte große Einigkeit, wo die Probleme liegen - nicht auf Seiten der ArbeitnehmerInnen. Den Abend bestimmte folglich eine abgeklärte, aber einige Atmosphäre unter den ver.di Mitlgiedern.

Thomas Gürlebeck, ver.di-Sekretär für den Handel in Augsburg hatte eingeladen, um zusammen mit Betriebsratsvorsitzendem Peter Fitz und Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann nicht bloß einen Rückblick auf die letzten Jahre des Kampfes um Weltbild und seine Logistik zu geben, sondern auch um aktuelle Themen zu diskutieren und Tipps für bleibende und scheidende KollegInnen zu geben.

Gleich zu Beginn ging Thomas auf die KollegInnen aus der Logistik ein: Gürlebeck hob dabei hervor, wie sehr ehemalige KollegInnen, auf die er inzwischen in anderen Firmen wieder trifft, noch heute das soziale Geflecht unter den KollegInnen der alten Verlagsgruppe hervorheben - nicht zuletzt im Vergleich zu ihren jetzigen Arbeitsstätten. Dass die Schließung des Lagers zwar nicht letztendlich, aber doch immerhin fünf Mal immer noch weiter verzögert werden und Menschen in Lohn und Brot gehalten werden konnten, lag sicher auch am starken Netz aus KollegInnen, BR und Gewerkschaft. Hatten direkt nach der Insolvenz der Verlagsgruppe noch Arbeitsamt und Insolvenzverwaltung einfach nur einen Scherbenhaufen vor Augen, so konnten Gewerkschaft und BR, zusammen mit tapferer und fleißiger Belegschaft, aufzeigen, dass es sich bei Weltbild vielmehr um ein Puzzle handelte und jederzeit wieder zusammenbaubar.

Als dann Mitte 2014 der Vertreter Droeges auf der Betriebsversammlung noch vollmundig versprach, Droege wolle im Zuge des Betriebsübergangs keine weiteren Kündigungen aussprechen, waren wir alle erleichtert. Bald darauf war diese Äusserung Makulatur: Aufspaltung der Firma und unnötige und willentliche Pleite des Lagers folgten. Währenddessen steigt Walther Droege quasi unaufhaltsam in der Reichen-Liste der Deutschen auf und rückt bald dem Aldi Imperium auf die Pelle, wie BR-Vorsitzender Peter Fitz anmahnte. Vertrauen gewinnen geht anders. Unterdessen kämpfen Thomas Gürlebeck und ver.di nicht nur um die Zukunft der verbleibenden Weltbild GmbH, sondern auch mit Geschäftsführern, die sich die Klinke in der Firma in die Hand geben. Schwierig, hier ein Prognose abzugeben.

Den KollegInnen aus dem Lagerbereich empfahl Thomas, auch nach dem Ausscheiden bei der Stange und somit in der Gewerkschaft zu bleiben: Ein minimaler Beitrag macht dies für arbeitslose Gewerkschafter leichter und nur damit bleiben alle Vorteile der Mitgliedschaft erhalten - nicht zuletzt die Rechtsberatung. Bedenkt man, dass etwa ein Drittel aller Jobcenter Bescheide falsch sind, lohnt sich, eine starke Schulter zur Seite zu wissen. Desweiteren sollen die Kollegen aufpassen, welche Arbeit Ihnen die Arbeitsagentur unterzujubeln versucht: Leiharbeit und mies bezahlte x-beliebige Jobs sind nicht zwingend zumutbar. Auch hier berät ver.di Mitglieder weiter. Und auch nach Aufnahme einer neuen Arbeit, so Gürlebeck, sei für gute Arbeitsbedingungen entscheidend, sich weiter zu engagieren, zum Beispiel im Betriebsrat: Wo es einen gibt: unterstützen! Wo es keinen gibt: einen aufbauen! Wo es einen schwachen BR gibt: sich selbst zur Wahl stellen und es besser machen!

Ganz in diesem Sinne empfahl Timm Boßmann auch den KollegInnen, den existierenden BR und dessen Angebot zu nutzen und gleichzeitig diesen zu unterstützen: Timm empfahl dabei, wie immer, so auch jetzt, wachsam zu sein, wenn z.B. der Chef ganz locker und informell "quatschen" will - wenn man ohne einen Betriebsrat mitgeht, lässt man sich womöglich überhastet überrumpeln von plötzlichen Anwürfen und steht schnell schlecht da. Also: zum Mitarbeitergespräch nicht ohne einen BR! Gerade die Ende 2016 durchgeführte psychologische Belastungs-Untersuchung habe gezeigt, wie geschlaucht viele von uns seien. Nicht unerwähnt ließ Timm an dieser Stelle, wie sehr sich Geschäftsführung und Personalchef um die Verantwortung herum zu drücken versuchten: Dass sich viele von uns trotz schlechten Zustands ins Büro schleppten, zeige der Chefetage anhand der Krankheitsstatistik, dass offenbar doch alles in Butter sei. Welch Hohn für die Aufopferung der Mitarbeiter. Daher rief Timm die Verwaltungsmitarbeiter auch auf, sich für die Workshops zu melden, die kommen werden. Nur die KollegInnen werden Tacheles reden können, wie es ihnen unter den Problemen von Großraumbüro bis Bürokratismus tatsächlich zumute ist. Der BR wird in den mitbestimmungspflichtigen Sozial- und Gesundheitsthemen auch weiterhin auf Verbesserungen Eurer Arbeitsbedingungen drängen!

Freitag, 10. Februar 2017

Reiche können mehr zahlen!


Seit 1998 hat sich die Steuerbelastung der ärmeren Haushalte erhöht, die der Reichen wurde geringer. Denn die rot-grünen und die schwarzroten Koalitionen haben den Spitzensteuersatz gesenkt und indirekte Steuern erhöht.


Immer wieder heißt es, dass die oberen zehn Prozent über die Hälfte der Steuern zahlen. Verschwiegen wird, dass dabei nur die Einkommensteuer gemeint ist. Dass die oberen zehn Prozent durch sie stärker belastet werden, ist aber gerecht: Sie beziehen schließlich über ein Drittel der gesamten Einkommen.

Doch die weniger Begüterten zahlen weit überproportional Verbrauchsteuern, Mehrwertsteuer und andere indirekte Steuern. Insgesamt trägt das reichste Zehntel nur gut 40 Prozent der Steuern. Rechnet man die Sozialbeiträge mit, ist es sogar nur ein Drittel.

Was bedeutet das für die steuerliche Belastung?

So liegt die Steuerbelastung des oberen Zehntels mit 31 Prozent kaum höher als die des ärmsten. Selbst das reichste Prozent, mit über 10.000 Euro Monatseinkommen pro Person, zahlt nur 40 Prozent Steuern. Und die tatsächliche Belastung ist sogar noch niedriger, da ihre Einkommen und Vermögenszuwächse nur unvollständig erfasst werden.

Was fordert die ver.di?

ver.di fordert mehr Steuergerechtigkeit. Untere und mittlere Einkommensgruppen müssen entlastet werden. Die sehr hohen Einkommen und großen Vermögen können und müssen wieder mehr beitragen. Denn einen armen Staat können sich nur die Reichen leisten.





Quelle: WiPo, ver,di

Samstag, 4. Februar 2017

Mode und Qualität zum besten Preis – nur auf wessen Kosten?


Eine Mitteilung des 

H&M gibt sich in der Öffentlichkeit gerne verantwortungsvoll. Diesbezüglich schreibt H&M auf seiner Homepage: „Alle unsere Lieferanten sollen faire Gehälter zahlen, die die Grundbedürfnisse der Arbeitnehmer decken. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Beschaffungspraktiken von H&M. Eine weitere Komponente ist eine gut ausgebildete Belegschaft, deren Gehälter in Zusammenarbeit mit gewählten Gewerkschafts- oder anderen Arbeitnehmervertretern verhandelt und jährlich geprüft werden.“

Leider entspricht diese verantwortungsvolle und heile Welt, welche H&M seinen Kunden vorgaukelt, nicht dem, was die Näherinnen und Näher in den Zuliefererfabriken in Bangladesch tagtäglich erleben müssen. Dem Gesamtbetriebsrat liegen Informationen vor, dass in diesem Moment in Bangladesch – das Land in welchem H&M den Großteil seiner Ware produzieren lässt – erhebliche Menschenrechtsverletzungen erfolgen.

Ausgangspunkt ist die oben beschriebene „jährliche Überprüfung und Verhandlung der Gehälter in Zusammenarbeit mit Gewerkschafts- und Arbeitnehmervertretern“. Regierung und Unternehmen in Bangladesch arbeiten gemeinsam zusammen, um eine gewerkschaftliche Organisation der Näherinnen und Näher zu verhindern. Aktive Gewerkschafter, welche sich für mehr Gehalt eingesetzt haben, wurden inhaftiert - teilweise sogar unter Folter- und Todesandrohungen. Einigen Gewerkschaftern sowie deren Angehörigen wurden die Konten gesperrt, sodass sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können. 85 Fabriken wurden in Folge von Streiks und Protesten in Ashulia vom Management geschlossen und die Arbeiterinnen und Arbeiter entlassen. In 14 von diesen Fabriken gab es aktive Gewerkschaftsgruppen - auch die örtlichen Gewerkschafter haben ihre Arbeit verloren. Diese entlassenen Kolleginnen und Kollegen versuchten auch in anderen Fabriken Gewerkschaften aufzubauen. In weiteren 10 Fabriken in Ashulia arbeiten ebenfalls Gewerkschaftsmitglieder der ansässigen Gewerkschaft (NGWF). Diese wurden bislang zwar nicht entlassen, jedoch verloren andere Arbeiterinnen in diesen Fabriken ihre Anstellung. Dies bedeutet, dass die NGWF ihre Arbeit in 24 Fabriken faktisch einstellen musste. Von diesen 24 Fabriken produzieren 8 für H&M.

Wir, der H&M Sales Gesamtbetriebsrat fordern H&M dazu auf, unverzüglich Druck auf seine 8 Zulieferer in Ashulia auszuüben. Die Inhaftierungen müssen umgehend rückgängig gemacht werden, Menschenrechtsverletzungen müssen sofort unterbunden werden. Die Fabriken müssen unverzüglich wieder öffnen. Die Gewerkschafter sowie Kolleginnen und Kollegen sind umgehend ohne Gehaltsverluste wieder einzustellen, und den Forderungen nach höheren Löhnen muss nachgegeben werden. H&M muss seiner Verantwortung nachkommen und den leeren Worten auf der H&M Homepage endlich Taten folgen lassen! 

Die Gesamtbetriebsratsmitglieder von H&M haben diese Petition des globalen Gewerkschaftsverbands „IndustriALL“ unterzeichnet.

Montag, 30. Januar 2017

Superwahljahr 2017 und was die Gewerkschaften fordern


Fünf Wahlen stehen 2017 an: Die Bundespräsidentenwahl, drei Landtagswahlen und die Bundestagswahl im September. Der DGB hat seine Anforderungen an die Parteien zur Bundestagswahl bereits formuliert. Als Einheitsgewerkschaft ist der DGB parteipolitisch unabhängig, aber nicht neutral.


Im Wahljahr positioniert sich der DGB klar gegen Rechts. Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann warnte bereits am 1. Mai 2016 in Stuttgart, dass die soziale Spaltung den Gegnern der Demokratie nütze. „Die Rechtspopulisten behaupten, sie seien die Partei des kleinen Mannes. Aber ihre politischen Programmpunkte bei der Steuer-, Renten- und Sozialpolitik zeigen, dass sie eine Partei der Besserverdiener ist, ohne Konzept, europafeindlich, menschenfeindlich und keine demokratische Alternative“, stellt der DGB-Vorsitzende klar. „Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften agieren als Einheitsgewerkschaften parteipolitisch ungebunden, aber nicht neutral“, betont Hoffmann.

Interessen der ArbeitnehmerInnen in den Mittelpunkt stellen

Um die Interessen der ArbeitnehmerInnen in den Mittelpunkt zu stellen, hat der DGB frühzeitig seine umfangreichen Anforderungen an alle Parteien formuliert. Angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen setzt sich der DGB für eine solidarische und gerechte Flüchtlings- und Migrationspolitik ein. Alle EinwohnerInnen profitieren, wenn Defizite bei Wohnungsbau, Bildung, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur behoben werden. Um Integration zum Erfolg zu machen, muss die Politik gleiche Rechte und Pflichten für alle schaffen und die Ankommenden in Ausbildung und Beruf bringen.

Arbeit 4.0 im Sinne der Beschäftigten gestalten

Weitere Forderungen befassen sich mit der sich wandelnden Arbeitswelt. Die Digitalisierung birgt neue Chancen wie Entlastungen bei schwerer körperlicher Arbeit, aber auch steigende Ansprüche an die Beschäftigten. Der DGB fordert die Politik auf, die ArbeitnehmerInnen im Blick zu behalten: Starke Tarifbindung und mehr Mitbestimmung sind unerlässlich, um neue Formen der Arbeit – wie die Plattformarbeit – im Sinne der Beschäftigten zu gestalten. Begriffe wie Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Betrieb müssen neu definiert werden, um den Herausforderungen gerecht zu werden.

Flexibilität nicht auf Kosten der ArbeitnehmerInnen

Top-Thema für Betriebsräte und Beschäftigte ist die Arbeitszeit. Mobile Geräte schaffen größere Freiräume und flexiblere Möglichkeiten, seinen Job zu erledigen. Im Idealfall können Beschäftigte dadurch selbstbestimmter verschiedene Lebensphasen gestalten. Die Gewerkschaften wollen die Menschen aber gleichzeitig von entgrenzter und verdichteter Arbeit schützen, zum Beispiel durch ein Recht auf Nicht-Erreichbarkeit. „Wichtig ist, dass Flexibilität nicht auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten geht“, betont der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann.

Offensive für die Mitbestimmung

Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften gehen bei der Mitbestimmung in die Offensive – die gesetzlichen Grundlagen müssen an die Entwicklungen des 21. Jahrhunderts angepasst werden. Hier sind die Parteien gefordert, zu handeln, damit Interessen- und ArbeitnehmervertreterInnen weiterhin die sich wandelnde Arbeitswelt gestalten können. „Wir müssen endlich den mitbestimmungspolitischen Stillstand überwinden“, so Hoffmann. Zentral ist aus Sicht des DGB, dass es Sanktionen gibt, wenn Betriebsratswahlen illegal beeinflusst oder verhindert werden.

Quelle:
www.dgb.de

Donnerstag, 26. Januar 2017

Neue Seminare: Wie lange wollen wir arbeiten? / Lateinamerika: Die Erben des Che Guevara


Liebe Kolleginnen und Kollegen,
heute stellen wir Euch die nächsten zwei Seminare aus dem ver.di-Bildungsprogramm für die Mitglieder vor.

Nähere Infos finden sich auch unter www.verdi-bildungsportal.de.

Zur Erinnerung:
ver.di hat für die Mitglieder ein umfangreiches Bildungsprogramm, meist kostenlos und meist mit Fahrtkostenzuschuss.


Wie lange wollen wir arbeiten?
Arbeitszeitwünsche der Beschäftigen 


vom 24.03.2017 bis 26.03.2017 in Beilngries-Paulushofen 
Beginn: Freitag um 18:00 Uhr 
Ende: Sonntag nach dem Mittagessen 
Veranstaltungsnummer: 17/30/371 

Teilnahmegebühr für Nicht-Mitglieder: € 235,00 
(für ver.di Mitglieder aus Bayern trägt der 
ver.di Landesbezirk die Teilnahmegebühr) 

Die Arbeitgeber drängen auf eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit. Der demografische Wandel erhöht den Druck auf verbleibende abhängig Beschäftigte. Und zusätzlich steigen die Anforderungen, die sich aus der Digitalisierung ergeben.

Wie werden sich die Arbeitsbedingungen in Bezug auf die Arbeitszeit verändern? 

Gewerkschaften stellen die Frage: „Wie muss sich die Arbeitszeit verändern, um abhängig Beschäftigten die Vereinbarkeit von Leben und Arbeit zu ermöglichen?“ 

Der Kampf um kürzere Arbeitszeiten ist für uns Gewerkschafter heute noch genauso aktuell wie früher. Er ist wichtig, um eine gerechte Verteilung der Arbeit zu gewährleisten, der Vereinbarkeit von Leben und Arbeit und nicht zuletzt der Muße zu dienen. 

Themen im Seminar sind: 

  • Arbeitszeitwünsche der Beschäftigten (BRD, EU) zum Einklang von Leben und Arbeit
     
  • Gewerkschaftliche Positionen zum Thema Arbeitszeit
     
  • Historische Entwicklung der Arbeitszeiten
     
  • Arbeitsflexibilität vs. Arbeitszeitverkürzung
     
  • Welchen Einfluss haben Demografischer Wandel und die anstehende Digitalisierung auf die Arbeitszeit?
     
  • Gewerkschaftliche Handlungsmöglichkeiten
     
  • Wie können wir die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben überzeugen und wie können wir als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aktiv werden? 



Lateinamerika: Die Erben des Che Guevara 


vom 31.03.2017 bis 02.04.2017 in Brannenburg 
Beginn: Freitag um 18:00 Uhr 
Ende: Sonntag nach dem Mittagessen 
Veranstaltungsnummer: 17/30/379 

Teilnahmegebühr für Nicht-Mitglieder: € 235,00 
(für ver.di Mitglieder aus Bayern trägt der 
ver.di Landesbezirk die Teilnahmegebühr) 

Kooperationsseminar des Bildungswerkes der ver.di 
mit dem ver.di Bezirk München und ver.di Bayern. 


Das Wochenendseminar beschäftigt sich mit einem Kernthema der Gewerkschaften: International Denken und Handeln!

In Lateinamerika toben zur Zeit mörderische Klassenkämpfe auf dem Rücken der arbeitenden und arbeitssuchenden Bevölkerung. Tausende von Gewerkschafter_innen sind die Opfer in Kolumbien, Peru, Venezuela und anderswo. 

Unsere internationale Gewerkschaftsorganisation UNI AMERICA und zahlreiche politische und gewerkschaftliche Initiativen stemmen sich dagegen und wollen ein menschenwürdiges Leben in sozialer Gerechtigkeit.

Große lateinamerikanische und europäische Vorbilder sind in den Gewerkschaftszentralen abgebildet: Die französische Revolution, Marx, Simon Bolívar, Che Guevara... Mit unserem Kollegen Orhan Akman und anderen Kennern des Kontinentes werden wir Informationen sammeln, bündeln und Handlungsmöglichkeiten absprechen. 

  1. Zur Geschichte der Freiheitskämpfe in Lateinamerika
     
  2. Che Guevara, Kuba gestern und heute
     
  3. Arbeiterselbstverwaltung in Argentinien
     
  4. Die Kultur der Befreiung (Musik, Literatur, Malerei...)
     
  5. Erfahrungen der Klassen -und Gewerkschaftskämpfe in Peru und Kolumbien 


Unsere Seminarmethoden richten sich nach den Inhalten (Einführungsvorträge, Erfahrungsberichte, Arbeitsgruppen, Musik, Bilder....). Das Seminar versteht sich als einen ersten Schritt (in die richtige 
Richtung). 


Wir lassen Sie nicht allein! Klicken Sie auf das Logo.