Freitag, 26. Mai 2017

Ein gerechteres Land schaffen ...


Wer Krisen und Kriege weltweit eindämmen will, muss hierzulande anfangen, Ressourcen und Chancen umzuschichten. Das Bündnis Reichtum umverteilen - ein gerechtes Land für alle fordert das Umsteuern ein.


Die Welt in gefährlichem Krisenmodus, in Afrika Millionen Menschen vom Hungertod bedroht, Zuspitzung statt Deeskalation in Dutzenden von Kriegen rund um den Globus, ein globaler Rechtsruck mit Populisten wie Trump, Erdogan, Le Pen, Orbán und Kumpanen an der Spitze - und in Bundesdeutschland haben weite Kreise der Zivilgesellschaft nichts anderes im Kopf als die "Umverteilung" von Vermögen, Einkommen und Gewinnen? Dass seit Jahrzehnten "soziale Ungleichheit, Unsicherheit und Ungerechtigkeit" wachsen: Ist das nicht eine Binsenweisheit genau wie die resignative Erkenntnis, dass "man da eben nichts machen" kann?

Nein, sagen die Aktiven eines breiten neuen Bündnisses aus Organisationen und Einzelpersonen: "Wir können ein besseres und gerechtes Land für alle schaffen, die hier leben. In Deutschland gibt es so viel Reichtum wie nie zuvor, wir müssen ihn endlich vernünftig verteilen und gerecht einsetzen", heißt es in einem Aufruf. Denn der Reichtum in Deutschland hat auch und gerade etwas zu tun mit Krisen und Kriegen weltweit, deren Ursachen letztlich immer in der ungleichen und ungerechten Verteilung von Ressourcen und Chancen zu suchen sind.

Hinter dem Bündnis Reichtum umver­teilen versammelt sich ein erstaunlich breites Spektrum an Organisationen der Zivilgesellschaft, zu denen, um nur die größten und bekanntesten zu nennen, die DGB-Gewerkschaften ver.di und GEW, die Sozialverbände SoVD, VdK, Volkssolidarität und der Paritätische, der AWO-Bundesverband und die Nationale Armuts­konferenz gehören.
Weiterhin: Oxfam Deutschland, Attac, "Die Tafeln", der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt, die Katholische Arbeitnehmerbewegung, der Deutsche Kinderschutzbund, der Deutsche Mieterbund, die NaturFreunde Deutschlands, der Deutsche Bundesjugendring, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und aus dem parteipolitischen Spektrum die Parteien Bündnis 90 / Die Grünen und "Die Linke", das Forum Demokratische Linke / Die Linke in der SPD, die Grüne Jugend, die Linksjugend ‘solid und die Jungsozialisten in der SPD (Jusos). In einer Reihe von Städten und Regionen gibt es bereits aktive lokale Bündnisse.


Mehr Mittel für öffentliche Aufgaben

Genau darum geht es bei dem Bündnis, das im Wahljahr 2017 nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch bundesweit auf die Diskrepanz aufmerksam machen will zwischen den wachsenden Privatvermögen einiger Weniger und dem grassierenden Geldmangel für öffentliche Aufgaben wie Kitafinanzierung, gute Pflege und anderes. "Die aktuellen Steuereinnahmen reichen ganz offenkundig nicht für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, eine bessere Bildung und auch nicht für mehr Betriebsprüfer, die Steuerhinterziehung aufdecken", sagt Uwe Foullong. Auch da stimmt der Minister zu und betont, dass NRW diverse Bundesratsinitiativen auf den Weg gebracht hat, die für mehr Steuergerechtigkeit sorgen sollten, wegen der fehlenden Mehrheiten bisher aber nicht durchsetzbar waren. Als im Gespräch das Wort "Steuersünder" fällt, kontert Walter-Borjans, das sei verharmlosend, es handele sich um Steuerbetrüger, die als solche benannt und bestraft werden müssten.
In der Bundesrepublik ist inzwischen eine Generation herangewachsen, die gar keine Vermögenssteuer mehr kennt. Tatsächlich gab es eine solche Steuer bis 1996. Durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1995 wurde sie ausgesetzt - allerdings nicht etwa, weil die Richter/innen grundsätzlich die Verfassungsmäßigkeit der Vermögenssteuer in Zweifel zogen, sondern weil sie die ungleiche Steuerbemessung bei Geldvermögen im Vergleich zu Immobilienvermögen für verfassungswidrig erklärten. Seitdem hätte es demnach sehr viel Zeit gegeben, die Vermögenssteuer neu und verfassungskonform zu regeln. Doch das geschah nicht.

Vermögenssteuer wieder einführen!

In einer Hintergrundinformation des Bündnisses "Reichtum umverteilen" werden akribisch die Vorteile einer Wiedereinführung der Vermögenssteuer aufgeführt, die in jedem Fall nur die wirklich Reichen zahlen sollten. "Bei einem Freibetrag von einer Million Euro wären schätzungsweise 400.000 Personen betroffen - die Reichsten unserer Gesellschaft, jenes eine Prozent der Bevölkerung, das etwa ein Drittel des Gesamtvermögens besitzt." Denn auch während der Wirtschaftskrise sind die Vermögen der Superreichen keineswegs geschrumpft. Vielmehr haben sie weiter kräftig an Umfang zugelegt und betragen derzeit mehr als 2,5 Billionen Euro - was übrigens, wie das Bündnis schreibt, mehr ist, "als alle öffentlichen Haushalte zusammen an Schulden haben".
Doch dem Bündnis geht es nicht allein um die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, um den Not leidenden Haushalten der Länder und Kommunen die nötigen Mittel für Investitionen in die soziale Infrastruktur zu verschaffen. Falsch seien ebenfalls die Senkung des Spitzensteuersatzes für hohe und höchste Einkommen sowie die pauschale Besteuerung der Kapitalerträge mit nur 25 Prozent gewesen. Auch NRW-Finanzminister Walter-Borjans sprach sich Anfang April klar dafür aus, die Einkünfte aus Kapital künftig differenzierter zu besteuern. Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske hatte Ende März in Berlin bei der Präsentation des Bündnisses "Reichtum umverteilen" auf Bundesebene ebenso klargestellt: "Kapitalerträge dürfen gegenüber Arbeitseinkommen nicht weiter privilegiert werden."

Die Armen tragen die höchsten Lasten

Faktisch bringen mittlerweile wegen der ungerechten Steuerpolitik der zurück­liegenden zwanzig Jahre die ärmeren und ärmsten Teile der Bevölkerung die meisten Steuern auf. Betrachtet man nur die Einkommenssteuer, tragen die einkommensstärksten zehn Prozent der Bürger/innen mit 59 Prozent tatsächlich den größten Teil an dieser Steuer, heißt es in der Hintergrundinformation des Bündnisses mit Bezug auf die aktuelle Studie Wer trägt die Steuerlast? (HBS-Study Nr. 347, 2016). Allerdings sage das wenig über die gesamte Lastenverteilung aus. "Einen großen Teil des Gesamtsteueraufkommens machen die Konsumsteuern aus (Mehrwert-, Energie-, Alkohol-, Tabak-, Versicherungssteuer, Grundsteuer, Kfz.-Steuer usw.)", heißt es im Hintergrundbericht. Würden direkte und in­direkte Steuern zusammen betrachtet, ergebe sich eine überproportionale Belastung der unteren gegenüber den mittleren Einkommensgruppen, während die der Reichen nur geringfügig über deren Belastung liege. Und so sei ein zentrales Ergebnis der Studie Wer trägt die Steuerlast?, dass "die Steuerreformen seit Ende der 1990er Jahre dazu geführt haben, dass die reichen Haushalte steuerlich stark entlastet wurden, während die untere Hälfte und besonders die armen Haushalte erheblich mehr Steuer zahlen müssen als früher".

Bis Ende der 90er Jahre betrug der Spitzensteuersatz 53 Prozent. Die damalige rot-grüne Bundesregierung senkte ihn auf 42 Prozent. Mit diesem Satz wird Einkommen besteuert, das bei Singles ohne Kinder über 52.057 Euro hinausgeht; die Reichensteuer in Höhe von 45 Prozent wird erst für alles erhoben, was bei Sing­les ein Jahreseinkommen von 256.304 Euro übersteigt.
Durch Grundfreibetrag, niedrigere Besteuerung bis zum Spitzensatz sowie durch den Abzug steuermindernder Aufwendungen kommt am Ende bei den Wohlhabenden eine viel geringere Steuerquote heraus. "Bei 54.000 Euro liegt die Gesamtbelastung etwa bei 26 Prozent, nicht etwa 42 Prozent", heißt es im Bericht. Auf der anderen Seite bedeutete die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent eine erhebliche Mehrbelastung der schlechter gestellten Bevölkerungsschichten.

Bei ihren Informationsveranstaltungen in der Düsseldorfer Innenstadt erhalten die Bündnis-Aktivist/innen regelmäßig sehr viel Zustimmung von den Passant/innen. "Ich muss eine Menge erklären, aber die Leute interessieren sich sehr für unsere Themen", stellt die ver.di-Ehrenamtliche Martine Sczigiol-Weber bei ihren Einsätzen immer wieder fest. Und fast jede/r könne ein Beispiel aus dem eigenen Umfeld beisteuern, wo durchs Kaputtsparen etwa eine Turnhalle marode geworden oder das Personal einer Krankenhausstation durch Unterbesetzung komplett überlastet sei. "Es sind auch schon erkennbar gut betuchte Mitbürger/innen zu uns gekommen und haben gesagt, dass sie nichts gegen eine höhere Belastung hätten", sagt Uwe Foullong. Das Thema "Reichtum umverteilen" scheint überall in der Gesellschaft angekommen zu sein.

 

Montag, 22. Mai 2017

Die Ausschüsse des Betriebsrats - Neubesetzungen

Im Rahmen der Neukonstituierung des Betriebsrates, die nach Schließung der ALSO-Logistik erforderlich wurde, mussten auch die Ausschüsse des Betriebsrates neu gewählt werden.



Der neue BR-Vorsitz und der Betriebsausschuss wurden Anfang April bereits gewählt, alle anderen Ausschüsse wurden in den letzten Wochen neu aufgestellt.

Der Gesundheitsausschuss


Dieser Ausschuss, der sich um alle gesundheitlichen Themen, wie beispielsweise um 
die psychische Gefährdungsbeurteilung, kümmert hat folgende sechs Mitglieder:
  •  Manuela Natterer
  •  Charmaine Müller
  •  Peter Hellriegel
  •  Jürgen Puschmann
  •  Hannes Walk
  •  Tim Miller

Der IT-Ausschuss


Die drei neuen Mitglieder sind:
  • Hannes Walk
  • Dolores Sailer
  • Jürgen Puschmann


Der Wirtschaftsausschuss


Die vier neuen Mitglieder, die sich um die wirtschaftlichen Fragen kümmern
  • Dolores Sailer
  • Peter Reichert-Meissl
  • Manuela Natterer
  • Timm Boßmann

Die Paritätische Kommission


Die Kommission wir von der Geschäftsführung und BR-Mitgliedern in gleicher Anzahl besetzt.
Die sechs neuen Mitglieder von Seiten des BR sind:
  • Dirk Neu
  • Charmaine Müller
  • Dolores Sailer
  • Manuela Natterer
  • Timm Boßmann
  • Peter Hellriegel

Wir gratulieren den frisch gewählten Ausschussmitgliedern zu Ihren neuen Aufgaben und wünschen Ihnen viel Erfolg

Mittwoch, 17. Mai 2017

AMAZON - Bis dass der Tod sie scheidet

 
Wer sich krank meldet, gefährdet die Anwesenheitsprämie aller


Schlimmer geht immer, das beweist erneut Amazon, wenn es um die Ausgestaltung der Arbeits­plätze in den deutschen Versandhandel-Standorten des Konzerns geht. Die Kranken­stände unter den Beschäftigten liegen seit Jahren über dem deutschlandweiten Durchschnitt. Und das nicht, weil die Amazon-Beschäftigten gerne blau machten. Es sind die Arbeitsbedingungen, die sie krank machen. Auf Schritt und Tritt wird ihre Arbeit über­wacht. Sind sie nicht schnell genug, zu spät aus der Pause zurück­gekommen oder haben sie zu lange an einem Regal verweilt - alles wird per Handscanner mitgeschnitten und im schlimmsten Fall gegen die Beschäftigten verwendet. Hetze ist ihr großes Problem, und sie macht krank. 


Vor allem in den Sommermonaten, wenn sich in den Lagerhallen die Hitze bis zum Unerträglichen staut, sind Notfall-Krankenwagen vor den Amazon-Standorten keine Seltenheit.

Mit dem beginnenden Frühjahr und dem bevorstehenden Sommer hat Amazon nun eine Bonus-Regelung eingeführt, die den Kranken­stand auf Null senken soll: Um zehn Prozent können Amazon-Beschäftigte ihren Bruttomonatslohn steigern, wenn sie sich im Laufe eines Monats nicht krank gemeldet haben. Aber: Nicht das einzelne Durchhaltevermögen ist entscheidend, sondern das des gesamten Teams, in dem man arbeitet. Also egal, wer sich krank meldet, es geht in jedem Fall zu Lasten der Kolleg/innen, die sich notfalls eben auch krank für den vollen Bonus durch die Arbeit schleppen. Wie gesagt, schlimmer geht immer.

Der neue Gruppen-Bonus zeigt nur einmal mehr, wie wichtig und dringend nötig ein Tarifvertrag ist, der alle Arbeitsbedingungen und -entgelte regelt. 


Seit 2014 streiken die Beschäftigten für einen solchen und geben nicht auf. Amazon hingegen betreibt ein gefähr­liches Spiel. Niemand kollabiert bei der Arbeit aus Jux und Dollerei. Und: Nicht jede/r überlebt einen Hitzschlag, erst recht nicht, wenn er oder sie schon krank zur Arbeit gekommen ist.



Quelle: ver.di Publik 03-2017
Foto: FLICKR, Philippa Willits
CC-Lizenz (CC BY-NC 2.0)

Dienstag, 16. Mai 2017

Sozialwahlen 2017 - Mitwählen und Weitersagen!


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte Euch gerne auf ein wichtiges Ereignis aufmerksam machen und dies mit einer persönlichen Bitte um Unterstützung verbinden!

In diesem Jahr finden wieder die Sozialwahlen statt. Gerade jetzt werden dafür die Wahlunterlagen von den Krankenkassen und der Deutschen Rentenversicherung versandt. Wenn sie ankommen, bitte nicht wegwerfen, sondern unbedingt ausfüllen und wählen – am besten natürlich ver.di!

Viele halten das für überflüssig, ist es aber nicht!

Warum ver.di wählen?
Mit den Sozialwahlen können wir direkten Einfluss auf Entscheidungen in den genannten Organisationen nehmen – über unsere gewählten Versichertenvertreterinnen und -vertreter. Dabei geht es neben so grundsätzlichem wie Aufstellung der Haushalte und Personalentscheidungen auch um ganz konkrete Fragen, deren Auswirkungen wir alle direkt zu spüren bekommen. Bei den Krankenkassen können das z.B. Entscheidungen über die jeweiligen freiwilligen Zusatzleistungen oder über Hilfsmittel sein, bei der Deutschen Rentenversicherung z. B. solche über Rehabilitationsleistungen. Auch der Einsatz der vielen ehrenamtlichen Versichertenberater/-innen hängt von den jeweiligen Wahlergebnissen ab.

Von all diesen Entscheidungen bist Du als Versicherte/r ganz direkt und persönlich betroffen – da ist es gut, wenn in den jeweiligen Organisationen Vertreterinnen und Vertreter der Versicherten mitentscheiden können.

Unsere Bitte: mitwählen und weitersagen:  Kolleginnen, Kollegen und Bekannte informieren!

Die anstehenden Sozialwahlen haben eine hohe Bedeutung für ver.di. Es kommt dabei auf jede Stimme an, nur gemeinsam sind wir stark!
Daher möchten wir Euch bitten, mitzuhelfen: damit unsere ehrenamtlich engagierten Versichertenverterinnen und -vertreter ihre Arbeit auch in den nächsten Jahren erfolgreich weiterführen können.

Weitere Informationen zu den Sozialwahlen findest Du unter: www.verdi-waehlen.de

Infos zu unseren Kandidatinnen und Kandidaten gibt es hier: sozialversicherung.watch

Danke für Deine Mithilfe !

Mit kollegialen Grüßen
Dagmar König
Mitglied Bundesvorstand ver.di
Ressort 5

Montag, 15. Mai 2017

Tarifverträge fallen nicht vom Himmel!


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute stellen wir Euch das nächste Seminar aus dem ver.di-Bildungsprogramm für die Mitglieder vor.

Nähere Infos finden sich auch unter www.verdi-bildungsportal.de.

Zur Erinnerung:
ver.di hat für die Mitglieder ein umfangreiches Bildungsprogramm, meist kostenlos und meist mit Fahrtkostenzuschuss.


Tarifverträge fallen nicht vom Himmel! 



vom 21.07.2017 bis 23.07.2017 in Beilngries-Paulushofen 
Beginn: Freitag um 18:00 Uhr
Ende: Sonntag nach dem Mittagessen
Veranstaltungsnummer: 17/30/375 

Teilnahmegebühr für Nicht-Mitglieder: € 235,00 
(für ver.di Mitglieder aus Bayern trägt der
ver.di Landesbezirk die Teilnahmegebühr)

"Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren." (Bertolt Brecht) 

Tarifpolitik ist als das zentrale gewerkschaftliche Handlungsfeld ausschlaggebend für die Attraktivität der Gewerkschaft gegenüber den Mitgliedern und Nichtmitgliedern. Umfang und Qualität der durch Tarifpolitik gesicherten Regelungen entscheiden zu einem erheblichen Teil über die Arbeits- und Lebensbedingungen der abhängig Beschäftigten.

Die Tariflandschaft ist allerdings ständigen Veränderungen unterlegen. Die Phantasie der Betriebe, Tarifverträge zu umgehen, kennt scheinbar keine Grenzen. Werkverträge, Praktikumsverträge oder Leiharbeit nehmen immer mehr zu. Auch gibt es nicht wenige Unternehmen, die aus dem Arbeitgeberverband austreten. Wir müssen uns der veränderten Realität stellen.

Themen im Seminar:

  • Wie entstehen Tarifverträge?
     
  • Wie kommt es zu einer Tarifforderung?
     
  • Wie sieht es mit dem Streikrecht aus?
     
  • Wie kann die Tarifarbeit der Zukunft aussehen?
     
  • Welche Ideen haben wir für eine gerechte Tarifpolitik?
     


Donnerstag, 11. Mai 2017

Jetzt ist Feierabend - Wie Vorschriften systematisch unterlaufen werden






Sehr gut: Der SPD-Kanzler­kandidat Martin Schulz will für die Arbeitnehmerschaft mehr Gerechtigkeit. 


Das trifft einen Nerv. Da ist Nachholbedarf, erheblich! Aber was macht gleichzeitig die SPD-Arbeits­ministerin? Andrea Nahles mauschelt mit dem Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters. Bisher werden 25.000 Schwestern des DRK als barmherzige, billige Arbeitskräfte an Kliniken verliehen. Der Europäische Gerichtshof und das Bundes­arbeitsgericht haben ihnen nun den regulären Arbeitnehmer-Status als Leiharbeiterinnen zuerkannt. Aber Nahles will mit einer Aus­nahme­regelung den alten Zustand festschreiben. Wie weit sind wir eigentlich gekommen? Die Bundesregierung will höchstrichterliche Urteile aushebeln, und die SPD-Arbeitsministerin zieht das durch? Und der Gerechtigkeitsvertreter lässt das stillschweigend links liegen? Er will die Zahlung des Arbeitslosengelds I verlängern und befristete Arbeitsverträge einschränken. Gut so. Aber da hat er sich nur wenige Ungerechtigkeiten herausgepickt.

Unabhängig von Wahlkämpfen ist es längst an der Zeit, das ganze Spektrum ungerechter Arbeitsverhältnisse und das damit verbunde­ne Unrecht öffentlich anzuprangern. Zum Beispiel: Sieben Millionen abhängig Beschäftigte schlagen sich mit Minijobs herum. Aber die Unternehmer verweigern knapp fünf Millionen von ihnen das Krankengeld, drei Millionen bekommen das ihnen zustehende Urlaubsgeld nicht. Zum Beispiel: Im Reinigungsgewerbe sind Arbeitsverträge mit 20 Wochen-Stunden verbreitet. Doch in dieser Zeit kann die geforderte Zahl an Zimmern und Quadratmetern gar nicht gereinigt werden, es muss fünf oder auch zehn Stunden mehr gearbeitet werden. Aber es werden nur 20 Stunden bezahlt. Damit wird auch der Mindestlohn unterlaufen. Ähnlich bei Taxifahrern: Viele werden für acht Stunden bezahlt, müssen aber zehn bis zwölf Stunden fahren. Nebenbei bemerkt: Unternehmer lassen Stundenzettel fälschen - Urkundenfälschung als routinemäßige Straftat.

- Nach der offiziellen Statistik ließen Unternehmen in den letzten Jahren im Durchschnitt gut 900 Millionen unbezahlte Überstunden arbeiten -

Überhaupt der Mindestlohn, jetzt 8,84 Euro pro Stunde, brutto. Nach zwei Jahren von 8,50 Euro um 34 Cent erhöht. Und selbst das ging den Arbeitgebern und ihren Lobbyverbänden noch zu weit. Was ist das eigentlich für eine Unverschämtheit? Und die hunderttausendfach miss­bräuchlich als Leiharbeiter und Werkvertragler eingesetzten Beschäftigten seien hier nur kurz am Rande erwähnt, ist ja alles bekannt. Nach der offiziellen Statistik ließen Unternehmen in den letzten Jahren im Durchschnitt gut 900 Millionen unbezahlte Überstunden arbeiten. So schenken abhängig Beschäftigte jährlich mindestens 30 Milliarden Euro den Arbeit­gebern, ohne dass die dafür irgendetwas leisten, außer noch profit­geiler zu sein. Und das betrifft nur die dokumentierten Überstunden, während die nicht dokumentierten Überstunden sowieso immer mehr werden. Es handelt sich in den meisten Fällen um Erpressung, denn die Unter­nehmer drohen mit Betriebsschließung oder Arbeitsplatzabbau, also mit einem "empfindlichen Übel".

"Kapovaz", das bedeutet "kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit". Dabei haben 1,5 Millionen Beschäftigte keine festgelegten Schichten. Sie halten sich auf Abruf bereit. Das Unternehmen kann sie bei Bedarf für eine wechselnde Stundenzahl heranholen, mindestens zehn Stunden pro Woche. Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz muss es mindestens drei zusammenhängende Arbeitsstunden und eine Ankündigungsfrist von vier Tagen geben. Doch diese Vorschriften werden hunderttausendfach verletzt - Anruf morgens um fünf Uhr: Sofort kommen! Das führt unter anderem dazu, dass derart prekär Beschäftigte, die eigentlich einen zweiten Job brauchen, keinen bekommen.

Die Bundesregierung drängt die Jobcenter zu harten Einsparungen:


In den Jobcentern selbst arbeiten immer mehr Beschäftigte mit befristeten und Teilzeitverträgen. Gleichzeitig sollen sie möglichst viele der niedrigen Ansprüche der Arbeitslosengeld II-Empfänger abschmettern. Finanzielle Sanktionen erweisen sich zu Zehntausen­den als willkürlich und unbegründet - und das sind nur die wenigen, bei denen die Arbeitslosen mithilfe eines Anwalts vor Gericht ziehen.

Als die jetzige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Arbeitsministerin war, strich sie den ALG II-Empfängern den Beitrag zur Rentenversicherung. Das kommt noch hinzu, zu all den Ungerech­tigkeiten. Rentner malochen als nächtliche Zeitungsausträger bis zum Tod: Die Altersarmut ist schon da und wird weiter vorbereitet, vor allem bei den Jungen. Warum und wie lange wollen wir uns das eigentlich noch bieten lassen? Arbeitsrechte sind Menschenrechte!


Quelle: ver.di publik Ausgabe 03-2017








Foto: FLICKR, Dennis Skley
CC Lizenz CC BY-ND 2.0

Dienstag, 9. Mai 2017

Sozialwahl 2017, mitmachen!




Donnerstag, 4. Mai 2017

Gefährdungsbeurteilung: Wie geht es nach den Workshops weiter?


Eine online-Befragung zur Psychischen Gefährdungsbeurteilung Ende letzten Jahres offenbarte extrem schlechte Werte für WELTBILD. Der BR hat daraufhin eine Reihe von Workshops initiert und gemeinsam mit der Geschäftsführung organisiert. In der letzten April-Woche haben rund 90 KollegInnen aus allen Bereichen an diesen Arbeitsgruppen teilgenommen. Diese Kolleginnen und Kollegen haben viel Zeit und Energie investiert, um die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung zu präzisieren und nach Lösungen zu suchen. Vielen Dank für diesen wertvollen Einsatz im Sinne der Allgemeinheit.

Insgesamt fanden acht Workshops statt. Die Zusammensetzung entsprach den für die Befragung definierten Bereichen: • CM Media • IT, Customer Intelligence • Rechnungswesen, Treasury, Controlling • Warenwirtschaft • CM Non-Media • Marketing, E-Commerce, Kommunikation • Personalabteilung, Zentrale Dienste, Stabsstellen • Kundenservice. Die Ergebnisse aller Arbeitsgruppen wurden dokumentiert und am vergangenen Freitag der Geschäftsführung und dem Betriebsrat vorgestellt.

Viele Probleme sind bereichsübergreifend

Ohne ins Detail gehen zu wollen, lässt sich nach diesem ersten Überblick folgendes sagen:
• Das Feedback aus den Workshops war überwiegend sehr gut, die TeilnehmerInnen haben sich offen einbringen können, die Ergebnisse bilden eine solide Basis für die nächsten Schritte zur nachhaltigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen
• Die Rolle der Vorgesetzten, die im zweiten Teil der Workshops zu den Arbeitsgruppen stießen, wurde unterschiedlich bewertet. In einigen Workshops gab es gute und zielführende Diskussionen, in anderen beklagten die KollegInnen eine spürbare Abwehrhaltung der Führungskräfte. In einem Fall nahm die Bereichsleitung an dem Workshop nicht teil, dafür wurde bereits ein Nachholtermin vereinbart
• Bei den Problemen, die herausgearbeitet wurden, gibt es große, bereichsübergreifende Gemeinsamkeiten: mangelnde Wertschätzung, schlechte Organisation von Arbeitsabläufen und mangelhafte räumliche Bedingungen sind in fast allen Bereichen gleichermaßen Thema. Daneben klagen die KollegInnen über schlechte Information durch die Geschäftsführung/die Vorgesetzten, wünschen sich mehr Transparenz in Bezug auf die Organisation und allgemein mehr Ehrlichkeit und Offenheit im Umgang miteinander.

Lösungen müssen nicht unbedingt Geld kosten – aber sie bringen welches

Viele dieser Punkte sind veränderbar, ohne dass der Arbeitgeber Geld in die Hand nehmen müsste. Führungsverhalten, Informationsfluss und Organisation sind steuerbar, wenn die Geschäftsführung das will. Das kostet gar nichts und bringt viel: Die Ergebnisse der Workshops bieten ein großes Potential für schnellere und effektivere Arbeitsabläufe mit besseren Ergebnissen. Das heißt: Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen würde direkt auf das Unternehmensergebnis einzahlen. Andere Probleme – insbesondere die räumliche Situation – lassen sich in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation vielleicht nicht final lösen, aber es gibt dennoch Ansätze für bezahlbare Verbesserungen.

Der Betriebsrat schlägt deshalb vor, Probleme und Lösungen auf einer Zeitachse zu sortieren und zu priorisieren: Was können wir kurz-, mittel- bzw. langfristig tun, um die Arbeitsbedingungen dauerhaft zu verbessern? Darüber wird das Gremium zeitnah mit der Geschäftsführung beraten. Eine detaillierte Zusammenschau der Workshop-Ergebnisse und eine Darstellung der nächsten Schritte wird der BR innerhalb der nächsten Wochen auf einer Betriebsversammlung präsentieren. Die böte für die Geschäftsführung zudem die Möglichkeit, dem Wunsch der Belegschaft nach mehr Transparenz nachzukommen und über die Entwicklung in Bor sowie die wichtigsten wirtschaftlichen Kennzahlen zu berichten.

Dienstag, 2. Mai 2017

1.400 GewerkschafterInnen feiern den 1. Mai in Augsburg


Bilder sagen mehr als 1.000 Worte. Wer trotzdem etwas lesen möchte, dem sei dieser Artikel in der Augsburger Allgemeinen empfohlen.


















Donnerstag, 27. April 2017

1. Mai in Augsburg



Große Kundgebung auf dem Rathausplatz


Wie jedes Jahr nähert sich der Feiertag der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland.
Wir sehen uns hoffentlich bei schönem Wetter auf dem Augsburger Rathausplatz, wo es neben verschiedenen Ansprachen auch Biertische, Getränke und Essen geben wird, sowie Infostände und ein musikalisches Rahmenprogramm. Die Kundgebung auf dem Rathausplatz startet gegen 11 Uhr.

Demonstrationszug ab Gewerkschaftshaus


Wer vorher schon dabei sein möchte, kann sich gerne anschließen an den Demonstrationszug vom Gewerkschaftshaus bis zum Rathausplatz. Der Zug startet um 10 Uhr am Katzenstadel 34, Nähe Blaue Kappe.






Auf einen schönen gemeinsamen Maifeiertag 2017 im Herzen der Stadt!




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